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- Quintus Fabius - 23.05.2005

Mal ein neues Thema, die Ritterorden im Mittelalter zur Zeit der Kreuzzüge. Eine Sonderform des Militärs die in ihrer Bedeutsamkeit und in ihren Auswirkungen selbst bis heute nicht zu unterschätzen ist. Selbst das Kreuz der Bundeswehr heute geht noch auf einen dieser Orden direkt zurück.

Die drei Bekanntesten und größten Ritterorden waren die Templer, die Johanniter (später Malteser) und dann die Deutschritter.

Ein Ordensritter war eine Mischung aus Ritter und Mönch. d.h. diese Ritter lebten nach mönchischen Regeln wie im Kloster, kämpften aber im Krieg gegen Nicht-Christen.

Es gab sowohl Adlige Ritter in diesen Orden als auch Kämpfer aus der Mittelschicht oder dem Volk, dies resultiert aus der mönchischen Form ihrer Organisation die in der Theorie anfangs keine Standesunterschiede kannte.

Erst später nach dem Ende der Kreuzzüge setzten sich auch hier die Adligen durch. Das Leben der Ordensritter war von enorm strenger Disziplin und Härte geprägt, und bestand im Endeffekt fast nur aus Beten, Waffenübungen und weiteren Gebeten und Gottesdiensten, wenn nicht Krieg herschte, der folglich von vielen Ordenskämpfern gerade zu herbei gesehnt wurde.

Die 3 wichtigsten Orden könnten wir hier nun der Reihe nach jeweils gesondert abhandeln, wobei ich da nichts zu schreiben kann :


- europa - 23.05.2005

Templer
Der Templerorden wurde 1119 von Hugo von Payens gegründet. Der Name kommt von ihrem Domizil auf dem Tempelberg in Jerusalem. 1291 zogen sie nach Zypern. 1307 liess Philipp IV der Schöne von Frankreich alle französischen Templer verhaften und machte ihnen den Prozess. 1312 wurde der Templerorden, auf französischen Druck, von Papst Klemens V aufgehoben.

Johanniter/Malteser
Den Ursprung hat er in einem alten Hospital in Jerusalem. Ab 1137 übernahmen sie auch die Aufgabe des bewaffneten Grenzschutzes, erst damit wurden sie zu einem Ritterorden. 1309 übernahmen sie die Insel Rhodos und gründeten dort einen souveränen Ritterstaat. Mit der Auflösung des Templerordens konnten sie ihre Macht weiter ausbauen. 1522 verloren sie die Insel Rhodos. 1530 erhielten sie die Insel Malta und daher kommt auch der Name Malteser. Malta verloren sie 1798. Der Orden existiert auch heute noch, ich lasse die Geschichte nach dem Mittelalter aber grösstenteils weg.

Über die Deutschritter und die Schwertbrüder (hat es auch noch gegeben) ist mir nichts bekannt.


- Tiger - 23.05.2005

Der Templerorden hat sich nach der Aufhebung durch den Papst noch in zwei Staaten gehalten: Portugal, wo er zum Christusorden wurde, und Schottland.

@Quintus Fabius
Wie fanatisch waren eigentlich die Ritterorden? Saladin hat nach der Schlacht von Hattin ja alle gefangengenommenen Ordensritter töten lassen.


- ThomasWach - 23.05.2005

Ok, also gut. Ich bin etwas im Stress , daher werde ich eine kurze Geschichte zum Deutschen Ritterorden aus dem Gedächtnis heraus schreiben. Daher bitte ich um Nachsicht, wenn ich mal kein genaues datum nennen kann.

Der Deutschritterorden
Der Deutschritterorden wurde während der Spätphase der Kreuzzüge 1198 gegründet und hatte im Kampf gegen die Ungläubigen seine Hauptaufgabe.
Sein erster Sitz war im Heiligen Land, doch wurde er schnell nach Venedig verlegt.
Der Deutsche Ritter Orden war schnell ohne Aufgabe und beteiligte sich auch am Angriff auf das byzantische Reich von Seiten der Kreuzfahrer.
Dennoch fehlte ihm eine Aufgabe.
Jene erhielt er 1226, als Friedrich II den Orden in der Bulle von Rimini mit der Eroberung der heidnischen preußischen Gebiete beauftragt. Der polnische Herzog Konrad II von Masowien hatte sich ein Jahr früher an den Orden gewandt, da er Hilfe braucht gegen die heidnischen Pruzzen, die sich dem Zugriff durch die Polen erwehren konnten.
Was nun die Polen nicht schafften, schafften nun die Ordensritter mit der Anlage von Burgen, mit der systematischen Eroberung der Gebiete. Allerdings war dies sehr blutig und ein Großteil der Pruzzen kam dabei um.
Auch macht sich der Orden selbst zum Herren gemäß der kaiserlichen Bulle, obwohl die schon seit 250 Jahren katholischen Polen das Gebiet für ishc selbst forderten.
Damit war der Grundstein gelegt für die gut weiteren 200 Jahren Kampf zwischen dem Orden und Polen, der geschichtlich auch als Element der nationalen polnischen-deutschen Auseinandersetzung im 19. Jahrhundert hochstillisiert wurde.
1309 wird dann der Sitz des Hochmeisters nach Polen, in die Marienburg an der Nogat verlegt, als er die damalige Schwäche des politisch zersplitterten Polens ausnutzte udn POmerellen eroberte.
Um 1310 besaß der orden fast die gesamte südöstliche Küste der Ostsee: Pomerellen, Preußen, die Küstenbezirke Samogotiens ( Litauen), Kurland und LIvland. Zusätzlich wurde 1346 den Dänen Estland abgekauft.
Unter dem Hochmeister Winrich von Kniprode erreichte der Orden den Höhepunkt seiner Machtentfaltung.
Doch schon damals war das polnische Königreich dem orden feindlich gesinnt. Polen wurde damals unter Wladislaw I wieder geeinigt. Auch die damsl noch heidnischen Litauer hatten aus der Schwäche der russ. Fürstentümer und dem Niedergang der mongolischne Herrschaft in Rußland profitiert und unter Gedimin in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sein Territorium stark vergrößert.
Allerdinsg schaffte man es seitens des Ordens, mit Hilfe seßhaft werdender deutscher Adeliger, freier deutschger Bauern und 60 blühender deutscher Städte Preußen weitgehend zu germanisieren.
Man sieht also, im Gegensatz zu den eher internationationalistischen Ritterorden der "richtigen" Kreuzzüge war der Deutsche Ritterorden eher ein verkapptes deutsches Ostkolonisationsunternehmen, das allerdings durch den kampf gegen die Heiden legitimiert wurde.
Allerdings fiel dies letztlich auch weg.
Die heidnischen Pruzzen waren entweder bekehrt und germanisiert oide rtod und die heidnischen Litauer traten mit der Heirat ihres Größfürsten Jagiello mit der polnischen Erbprinzessin Jadwiga 1386 auch zum katholischen Glauben über.
Damit entfiel letztlich der eigentliche Legitimationsgrund für das Bestehen des Ordens. Alles andere war dann nur noch reine Machtpolitik. DEnn obgelich viele Litauer erstmal Heiden blieben, so waren doch offiziell beide umgebenden Staaten : Polen sowieso und Litauen nun offiziell auch katholisch.

Daher kam es auch allmählich zu scharfen Auseinandersetzungen, die letztlich im ersten Krieg des Ordens mit Polen-Litauen gipfelten:
Das Ordensheer, etwa 20.000 Mann wurd evon einem polnisch-litauischen Heer, etwa 30.000 Mann geschlagen. Der damalige Ordensmeister verlor sein Leben auf dem Schlachtfeld. Allerdings mußte die Belagerung der Marienburg abgebrochen werden polnischerseits.
dem Frieden von Thorn von 1410 folgte ein fragile Friedenszeit, in der der Orden aber allmählich zerfiel innerlich. Fehlende Legitimation brachte immer weniger ehrbare Ritter ins Land als Verstärkung, immerhin lämpften ja hier Christen gegen Christen. Dafür kamen immer Glücksritter und der Orden versuchte die Städte immer stärker zu schröpfen und an sich zu binden: Nicht nach deren Geschmack, zumal im benacbarten Polen-Litauen die Stände sich einer großen Freiheit erfreuen durften. Daher wurde 1454 der Preußische Bund gegründet, ein Städebund, der sich bereitwillig dem polnischen König Kasimir IV unterwarf. Insbesondere die Rivalität des Ordens mit Danzig und seinem Freiheits- und Bedeutungsstreben hatte hier ein wichtige Rolle gespielt: Erst kürzlich waren Danziger Stadtoberen hingerichtet wurden vom Orden.
Eher fast ein bißchen überrumpelt von diesen Ereignissen begann Polen mit dem Krieg gegen den Orden, der zunächst nicht erfolgreich verlief.
Die Einnahme der MArienburg belang erst dann, als man den Söldnern, die sie hietlen, die Marienburg abkauften (ja, man kaufte sie jenen ab, die Polen konnten besser bezahlen inzwischen als die Ordensleute)
Letztlich konnte sich die polnische Überlegenheit durchsetzen und im zweiten Thorner FRieden von 1466 wurde der einstmals große Orden auf das spätere Ostpreußen beschränkt.
1525 dann, im Zuge der Reformation ließ der letzte Ordensmeister sich zu Krakau das säkularisierte Ordensland vom polnischen König Zygmund I als Lehen geben....
Letztlich fiel dann dann die Erbfolge 1618 auf die Brandenburger und was daraus wurde, ist ja bekannt.

Letztlich unterscheidet sich der Deutsche Orden recht stark von seinen Pendants in Geschichte und Wirkungsweise, da er viel mehr in Osteuropa als deutsch-polnische Konfliktsituation endete.


- hawkeye87 - 23.05.2005

Zitat:Tiger postete
Wie fanatisch waren eigentlich die Ritterorden? Saladin hat nach der Schlacht von Hattin ja alle gefangengenommenen Ordensritter töten lassen.
yep, das würde mich auch interessieren. ich kenn sowohl sachbücher / romane, in denen die templer als besonders grausam und fanatisch dargestellt werden als auch solche, in denen sie diejenigen sind, die auf frieden und verständigung mit den moslems drängen.


- Quintus Fabius - 23.05.2005

Zitat:Wie fanatisch waren eigentlich die Ritterorden? Saladin hat nach der Schlacht von Hattin ja alle gefangengenommenen Ordensritter töten lassen.
Wenn man die Verstehen will muß man sich von unserer Denkweise trennen. Die Mittelalterliche Welt war durchdrungen von einem absoluten Glauben an das Christentum und Gott, und das auch bei Skeptikern oder Leuten die mit den Muslimen paktierten.

Es gab gar keine Zweifel ob es Gott gab oder das man selber im Recht war, die einzig Streitfrage war : wie pragmatisch man im Umgang mit Irrgläubigen sein durfte. Die Skeptiker oder „Liberalen“ damals sagten : ist doch egal, sollen sie doch die Heiden, dafür brennen sie ja dann auch in der Hölle.

Die Templer gehörten eher zu den Radikalen. Als der Templerorden noch ernsthaft militärisch war, waren die Templer eine Art Suizidtruppe die in fast jeder Schlacht zu fast 100 % draufging. Schon ihr erstes Unternehmen, die gescheiterte Eroberung von Damaskus war ein solcher völlig irrsinniger Angriff.

Der Orden wandelte sich von einem besonders fanatischen nach dem Verlust von Jerusalem dann zunehmend und wurde lockerer in seiner Einstellung zu den Muslimen. Als das Heilige Land 1291 endgültig verloren gegangen war, war bei den Templern irgendwie die Luft raus und der Orden verfiel innerlich rasant. Während die Deutschritter eben nach Osten zogen und die Johanniter sich andere Fronten suchten (Spanien und die Seekriegsführung) hörten die Templer mit dem heiligen Krieg einfach auf und betrieben nur ihre Zivilgeschäfte weiter, dies aber sehr erfolgreich.

Von einem Kreuzzugsorden wandelten sie sich in wenigen Jahrzehnten in eine Art Pan-Europäisches Wirtschaftsunternehmen um. Die Templer die da nicht mitmachen wollten gingen eigene Wege, so daß z.B. die Templer in Spanien und Portugal den Kampf für sich allein fortsetzten und so auch nach dem Untergang des Ordens einfach mit neuem Namen weitermachten.

Der hier schon erwähnte Schwertbrüderorden war in Livland und ging dann im Deutschen Orden auf. Es gab noch viele andere Orden, die meisten waren aber sehr klein und haben nur wenig bewirkt.

Der einzige heute noch existierende Orden sind die Malteser, die es irgendwie immer durch all die Jahrhunderte geschafft haben. Die haben heute noch im Vatikan ein eigenes Stück Land das nicht Kirchenstaat sondern Ordensstaat ist und sind immer noch Souverän im Sinne des Völkerrechts als Staat. Oberhaupt des Ordens ist der 78. Fürst und Großmeister Fra` Andrew Bertie

<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.orderofmalta.org/domrisp.asp?idlingua=2">http://www.orderofmalta.org/domrisp.asp?idlingua=2</a><!-- m -->


- Azrail - 23.05.2005

Eines muß ich klarstellen nach der Schlacht bei Hattin hat nicht Saladin die restlichen Templer hinrichten lassen sondern ein Sufi-Orden sich ihrer angenommen und alle 800-1000 Tempelritter abgeschlachtet.
Nur der Großmeister entkam.
Naja Radikale gegen Radikale:evil:


- Quintus Fabius - 24.05.2005

800 bis 1000 Ordensritter ? Woher hast du diese Zahl ? So viel Kämpfer hat der Orden insgesamt anfangs in die Schlacht geschickt. Davon ist der Großteil in der Schlacht selbst gefallen. Insgesamt wurden nur ca 200 Ritter gefangen genommen, alles (Säkulare und Ordensritter) zusammen. Es wurden so weit ich weiß nur ca 30 Templer gefangen genommen, die waren vor Durst nicht mehr in der Lage zu kämpfen. Die hat allerdings dann der erwähnte Sufiorden umgebracht und extra dafür für teures Geld von ihren Erbeutern abgekauft. Man konnte nämlich für einen Ritter ein gutes Lösegeld erhalten, die Johanniter kauften meistens so sie es konnten christliche Gefangene frei. Daher waren die Muslime nicht unbedingt darauf aus die gefangenen Christen umzubringen. Umgekehrt lief das nicht.

Erstaunlicherweise ließ Saladin den Großmeister der Templer, Gerard de Ridefort und 6 weitere Ordensritter laufen, die hatten sich Saladin selbst ergeben und dieser weigerte sich, sie den Sufis auszuliefern. Gerard de Ridefort fiel dann in den Kämpfen um Akkon am 1 Oktober 1189 in einer Schlacht gegen Saladins Heer.

Saladin war schon sehr erstaunlich, vor allem wen man die Zeit und die Umstände bedenkt. Er war übrigens Kurde !!

Zum Film KoH noch : Weder Rainald de Chattaillon noch Guy waren Templer wie es dort dargestellt wird, im Gegenteil waren die Templer politische Konkurrenten. Ich fand die Templer auch schlecht dargestellt, eine Gelegenheit wie z.b. vor Krak direkt in den Himmel zu gelangen hätten sie sich nie entgehen lassen. Zwar nicht für das Bauernpack aber für ihre Seelen wären sie sicher auf die Angreifenden Muslime losgegangen.

Mich würde sehr interessieren welchen Ritterorden ihr eigentlich bevorzugen würdet, vorausgesetzt ihr würdet damals leben. Oder ob ihr euch das überhaupt vorstellen könntet. Mich würde es zu den Johannitern ziehen.


- Azrail - 24.05.2005

Oh da hab ich wohl alle in einen Topf geworfen sry.
Welcher Ritter-Orden?
Hmm kann mich leider nicht mit christlichen Ritterorden identifizieren gibt es eigentlich einen Gegenpart die namentlich zu nennen sind?
Wieso gerade die Johanniter?

MfG Azze


- Quintus Fabius - 24.05.2005

Das ist vielleicht auch interessant :

Alltagsleben im Ritterorden :

Er regelt sich nach dem Tagesablauf gemäß der sogenannten kanonischen Stunden, begann also mit der Morgenmesse (Matutin), setzte sich fort über die Gottesdienste zur Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und endete mit dem zur Complet.

Die Zeiten dazu :
Matutin beginnt im Sommer um 2 Uhr, im Winter um 3 Uhr
Nach der Matutin soll der Bruder in den Stallungen nach dem Rechten sehen und ggf. den Knappen Anweisungen geben, danch darf er im Krieg nach einem Vaterunser weiterschlafen bis zur Prim. Ansonsten hat er mit der Arbeit zu beginnen.
Prim um 6 bis 7 Uhr
Terz um 9 Uhr
Sext um 12 Uhr
Non um 15 Uhr
Vesper um 17 Uhr (?)
Complet um 19 Uhr
Nach der Complet (also ca ab 19 bis 20 Uhr) ist allgemeine Nachtruhe, und im Schlafsaal (Dormitorium) hat stets eine Kerze zu brennen, außerdem werden dazu Nachtwachen im Schlafsaal gehalten damit sich keiner der Brüder selbst "unsittlich berühre"

Jede der kanonischen Stunden schreibt 13 bzw. 18 Vaterunser sowie Ave Maria vor.
Bei Versäumnis der Matutin müssen vom Betreffenden weitere 13 Vaterunser gesprochen werden, für jede andere 7, dies auch bei Fremdverschulden.

Weiterhin spielen Gebete, welche dem Schutzpatron des Tages gewidmet sind, eine entscheidende Rolle; das erste Tagesgebet ist aber stets ein Ave Maria..

Anm.: Der Deutsche Orden hat Maria zur Schutzherrin und deshalb den Anteil der Ave Maria nochmals drastisch erhöht!

Während der Mahlzeiten herrscht Schweigen, nur ein Bruder (meist ein frater capellani) liest aus der Heiligen Schrift vor.
Dreimal in der Woche gibt es Fleisch.
Das Mittagsmahl ist nach der Sext (also etwa 13 Uhr), das Abendmahl vor der Complet (etwa 17 Uhr). Die Portionen beim Essen sind groß, die Zeit aber für die Einnahme sehr knapp gehalten, übertriebenes Fasten ist verboten.

Ein wichtiger Bestandteil des ritterlichen Alltags war die Versorgung der Pferde und die Pflege der Waffen und Ausrüstung; dazu kamen dann ständige Kampfübungen, hier wurde vor allem das Agieren als geschlossene Formation geübt. Der Kampf selber wurde nur in Grundlagen geschult und dann in der Praxis geübt. Selbst Neueinsteiger wurden sofort in scharfe Einsätze geschickt, vor allem in Patrouillen, in den Kampf gegen Räuberbanden oder zu Überfällen in Muslimisches Gebiet.

Die Jagd war streng verboten, mit der Ausnahme daß man Löwen, Wölfe und Bären usw jagen durfte, der Einsatz von Schußwaffen bei der Jagdausübung auf diese war aber dann wieder verboten.

Hier ist die Ordensregel der Templer :

<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.die-templer.de/fakten/regel_1128.html">http://www.die-templer.de/fakten/regel_1128.html</a><!-- m -->

Die Ordensregel der Johanniter findet ihr hier im Scriptorium in Latein und Deutsch :

<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.ig-hospitalis.de/index02.html">http://www.ig-hospitalis.de/index02.html</a><!-- m -->

Zitat:Hmm kann mich leider nicht mit christlichen Ritterorden identifizieren gibt es eigentlich einen Gegenpart die namentlich zu nennen sind?
Ja gibt es. Das Islamische Gegenstück hieß Ribat. Die Ribat waren Gruppen von Kriegern die sich für einige wenige Jahre zusammenschloßen und dem Islam dienten. Der Unterschied liegt in der Lebensweise und in der Temporären Form der Ribat.
Die Kämpfer der Ribat dienten den Muslimen als schwere Kavallerie, da die islamischen Heere einen deutlichen Mangel daran hatten.

Sie verzichteten für die Dauer ihrer Zugehörigkeit auch auf Frauen und übten sich in Gebeten und Religiösen Übungen. Die Kämpfer dienten in einem Ribat aber nur 2 bis 3 Jahre (manchmal etwas länger) und lebten auch nicht so extrem wie die Christen in den Ritterorden (die standen z.B. erst um 7 Uhr auf und nicht um 2 bis 3 Uhr nachts) und waren eben nicht zugleich Mönche (in dem Fall wohl besser Derwische oder Sufis) nd Ritter sondern rein säkular.

Zitat:Wieso gerade die Johanniter?
Die waren echte Glaubenskrieger aber nicht so abgedreht radikal wie die anderen, dazu kommt daß sie ja weiter Kranke pflegten und stets auch ein Hospizorden blieben. Außerdem gefällt mir die Ordenstracht einfach am besten : Rein Schwarz mit weißem Kreuz.


- Patriot - 26.05.2005

Zitat:Hmm kann mich leider nicht mit christlichen Ritterorden identifizieren gibt es eigentlich einen Gegenpart die namentlich zu nennen sind?
Die Derwish vllt....soweit ich weiß dienten sie ihrem Glauben und waren mit langen Äxten unterwegs.Also geschult im Umgang mit Waffen. Aber ich weiß nicht ob sie sich zu Orden zusammenschlossen.


- hawkeye87 - 27.05.2005

Zitat:Patriot postete
Die Derwish vllt....soweit ich weiß dienten sie ihrem Glauben und waren mit langen Äxten unterwegs.Also geschult im Umgang mit Waffen. Aber ich weiß nicht ob sie sich zu Orden zusammenschlossen.
doch. es gab derwisch-orden. afaik ging v.a. von ihnen der heftige widerstand gegen die russische besetzung der zentralasiatischen und kaukasischen staaten aus. ich werd aber nochmal nachschauen ...


- Tiger - 02.11.2008

*Thread wieder ausgrab*

Gegenparts zu den christlichen Ritterorden gab auch in Mittelamerika - man denke hier an die ebenfalls stark religiös geprägten Kriegerorden, von denen jene der "Adler" und "Jaguare" die angesehensten waren.
Erwähnenswert wären ebenfalls die buddhistischen Kriegermönche, und hier insbesondere jene des alten Japan, die Sotei. Bei diesen trat aber der religiöse Bezug zugunsten des Schutzes des jeweiligen Klosters sehr stark in den Hintergrund.
Buddhistische Kriegermönche, die ihre Klöster zu schützen hatten, gab es übrigens auch in Tibet, und hier sogar bis in die Neuzeit.


- Tiger - 29.03.2009

Weiss jemand mehr über den Orden von Dobrzyn?
Mir ist über diesen Ritterorden eigentlich nur bekannt, das er im polnischen Raum aktiv war und später im Deutschen Orden aufging.
Zudem - war der Deutsche Orden vielleicht weniger "deutsch" geprägt als man sich das vorstellt? Es gab bei diesem Orden schließlich das System der "Gäste" - das waren Ritter, die extra aus anderen Gegenden Europas in den Ordensstaat kamen, um an dessen Feldzügen und Kämpfen teilzunehmen.
Zeitweilig galt es als größte Ehre für einen Ritter, auf einem Schlachtfeld im Baltikum zum Ritter geschlagen worden zu sein. Wir wissen etwa von Henry Bolingbroke, das er - bevor er Richard II absetzte, um selbst als Henry VI König von England zu werden - an einem Kreuzzug im Baltikum teilnahm.


- Quintus Fabius - 29.03.2009

Der Orden von Dobrin wurde 1228 von Bischof Christian von Preußen und Konrad von Masowien (trotz des Namens ein rein polnischer Adeliger) gegründet. Sein Ziel sollte der Schutz der wenigen Christen in Preußen und der polnischen Grenzgebiete vor den noch überwiegend heidnischen Prussen sein.

Dieser erste Orden von Dubrin war überwiegend von Polen geprägt und einige Angehörige waren schon Deutsche und christliche Balten.

Den Namen erhielt der Orden nach der Burg Drohiczyn die am Fluss Bug lag. Er bestand bis 1237 als er dann im Deutschen Orden aufging. Ab 1233 traten immer mehr Deutsche in diesen Orden ein.

Zur Frage wie Deutsch der Deutsche Ritterorden war:

Er war ausgesprochen Deutsch geprägt, das bezieht sich aber primär auf die Sprache und auf die Kultur, nicht auf die Herkunft der Ritter selbst. Umgangssprache im Orden war das Deutsche, und man verstand sich primär als Deutsch. Darunter verstand man aber damals etwas anderes als heute, es gab damals noch keinen Deutschen Nationalen Gedanken, Deutsch war vor allem eine Frage der Sprache und der Zugehörigkeit zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Mit dem Namen wollte der Orden also die von ihm verwendete Sprache und seine Ausrichtung auf den Kaiser und das Reich hin ausdrücken.

Später dann auch den Gegensatz zu Polen, man verstand sich aber auch da nicht als Deutsche in einem höheren Sinne, also als Volk sondern man sah sich selber als einen eigenen Staat mit sozusagen eigener Identität. Das Deutsch bezog sich auch dann noch auf die Sprache, die Kultur und den Gegensatz zu Polen. Ein Ritter des Deutschen Ordens hätte es negiert, hätte man ihm gesagt er gehöre dem gleichen Volk an wie beispielsweise ein Bayer oder Thüringer. Dieses Selbstverständnis wurde immer stärker je mehr der Orden sich aus der Region selbst und aus assimilierten Balten rekrutierte. So entstanden die Preußen als neuer deutscher Stamm.

Außerdem darf man das christliche Element nicht verkennen. Der Orden verstand sich selber in erster Linie als Christlicher Staat, also übergeordnet der Frage der Herkunft. Genau genommen war er nur direkt dem Papst unterstellt und tatsächlich eine völlig eigenständige Macht.

Viele Ritter des Ordens gerade im Baltikum waren prussischer Abstammung, oder andere Balten. Insbesondere gilt das für den Schwertbrüderorden der ja mehr baltisch als deutsch war und einen wichtigen Teil des Deutschen Ordens stellte. Der Orden war zwar der Sprache und Kultur nach Deutsch, aber von der Rekrutierung her massiv Baltisch geprägt. Obwohl der Orden einen jahrzehntelangen Vernichtungskrieg gegen heidnische Balten führte, waren gleichzeitig auch sehr viele christliche Balten Mitglieder des Ordens.

Aus dieser Vermengung entstanden im Endeffekt die Baltendeutschen ebenso wie die Preußen. Entgegen manchen Werken und dem Eindruck rottete der Orden die Prussen nicht aus, er assimilierte sie sprachlich und kulturell.

Anfangs dienten auch etliche Polen und Tschechen im Orden, dies ließ aber immer mehr nach je mehr der Orden in einen Gegensatz zu Polen geriet.

Die von dir erwähnten Gastritter waren keine Mitglieder des Ordens und kamen tatsächlich aus ganz Europa. Genau genommen waren sie Teilnehmer eines Kreuzzuges, also Kreuzritter. Von diesen traten kaum welche in den Orden ein, in der Spätzeit eigentlich überwiegend nur Deutsche.

Der Orden rekrutierte sich zu der Zeit wo diese "Gäste" an seiner Seite kämpften überwiegend schon aus der Region selbst, also aus Deutschen, Baltendeutschen und Balten.