Bundeswehr 2020: Wunschkonzert
Vergleichbare Probleme gibt es außerhalb der Bundeswehr bei Großprojekten im öffentlichen Sektor auch. Siehe beispielsweise Flughafen Berlin oder Bahnhof Stuttgart und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Bei den viel gelobten Amerikanern ist das nicht anders, siehe gescheiterte Raketenabwehr oder F-22/F-35 usw... Das Thema wird halt jetzt aufgekocht, weil sich Frau von der Leyen gegenüber ihren Vorgängern profilieren will, um ihr Profil für ihre zukünftige Kanzlerkandidatur zu stärken. Die Presse greift das dann ebenso willig auf, wie die chronisch unzufriedene deutsche Öffentlichkeit. Man muss das vermutlich alles ein wenig realistischer sehen.

Eine Verzögerung bei den dt. A400M ist nicht das vorrangige Problem im Beschaffungswesen. Das Grundlegende Problem ist doch, dass ein Basiskonzept für die Bundeswehr fehlt. Man muss öffentlich diskutieren, welchem Zweck die Bundeswehr dient. Da fehlt der Politik der Mut, das klar und deutlich zu äußern. Die Ziele müssen innerhalb der verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen von der Politik klar und vor allem mittelfristig zuverlässig über die politischen Fraktionen hinweg gesteckt werden. Dafür müssen der Bundeswehr dann die notwendigen Ressourcen mittelfristig absehbar bereit gestellt werden.

Dann sollte es einzig und alleine an der Truppe liegen ihre Anforderungen zu definieren. Also die Anforderungen an die Streitkräftestruktur und das benötigte Material um die Ziele der Politik umsetzen zu können. Das bedeutet in der Konsequenz, dass die Bundeswehr die notwendige Hardware beim Hersteller ihrer Wahl bestellen kann.

Die Bundeswehr sollte ihre Beschaffung dann vor allem über hauseigene R&D Büros mehr direkt beeinflussen. Das ist der Punkt, wo das BAAINBw ja offenbar erhebliche Defizite aufweist. Diese neuen bundeswehreigenen R&D Büros/Unternehmen sollten sich vorwiegend auf die 1) Anforderungsdefinition 2) das Projektmanagement 3) das Vertragsmanagement konzentrieren. Sie sollten die Hersteller/Privatwirtschaft quasi als eine Art Subunternehmer beauftragen. Das dafür notwendige Personal wird man aus der Privatwirtschaft sowie aus den eigenen Universitäten/Truppe beschaffen können. Braucht halt ne Weile, bis sich das eingespielt hat.

Ein A400M wird damit ein Projekt der Bundeswehr. Sie koordiniert die Zeitpläne, Einhaltung von Standards, Verträge, usw... selbst! Auf die Unternehmen wächst gleichzeitig der Druck und erleichtert die Austauschbarkeit einzelner Beteiligter im Forschungs- und Produktionsprozess.


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Ausrichtung Deutsche Marine - von 26er - 26.06.2020, 09:13
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RE: Ausrichtung Deutsche Marine - von PKr - 11.01.2021, 14:18

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