Ritterorden
#16
Jetzt habe ich gerade eben noch ein paar Infor bei Demurger gefunden:

1198 kamen der Johanniter Orden nach Ostpommern und begann von der Burg Stargard an der Weichsel aus gegen die Heiden zu kämpfen.

Den Johannitern folgend kamen dann Ritter des spanischen Calatravaordens nach Pommern wo sie von den Polen die Herrschaft über Thymau erhielten.

Angeregt durch diese beiden Ritterorden gründete dann Konrad von Masowien einen eigenen Ritterorden, den Orden von Dubrin. Dieser wurde laut Demurger schon vor 1228 gegründet, vermutlich sogar bereits 1210, er wurde aber erst 1228 vom Papst anerkannt.

Vorbild für den Aufbau und die Organisation war der Calatrava Orden. Seine Aufgabe war der Schutz der Mission in Preußen, und der Orden nannte sich eigentlich nicht Orden von Dubrin sondern der wahre Name lautete Ritter Christi von Preußen.
(Milites Christi de Prussia)

Der Orden unterstand im Endeffekt dem schon genannten Bischof Christian, einem früheren Zisterzienser Mönche aus dem Kloster Oliva in der Nähe von Danzig, das zu dieser Zeit das Zentrum der Mission in Preußen war.

Neben der schon erwähnten Burg Dohrzyn gründete der Orden eine Stadt die er mit deutschen Kolonisten besiedelte. Der Orden versagte jedoch mehrfach im Kampf gegen die Prussen und blieb zahlenmäßig zu schwach, was einer der Gründe dafür war, warum sich dann Konrad von Masowien an den Deutschen Ritterorden wandte.

Die Ritter Christi in Preußen gingen daher dann wie beschrieben im Deutschen Ritterorden auf, die Burg und die gegründete Stadt wurden jedoch nicht von den Deutschen Rittern besetzt sondern an Konrad zurück gegeben.

Einige der Ordensbrüder und der Hochmeister des Ordens (ein Deutscher namens Bruno) weigerten sich jedoch in den Deutschen Orden einzutreten und führten dann im Auftrag von Konrad die Herrschaft über die Burg Dobrin als dessen Verwalter fort. 1238 wurden jedoch diese Reste des Ordens von Dubrin im Kampf vernichtet.

Daraufhin erhielten die Tempelritter dieses Lehen, desweiteren drei Dörfer und die Burg Lukow.

Diese Tempelritter wie die Calatravaritter in Pommern gingen dann in der Schlacht von Liegnitz am 9 April 1241 im Kampf gegen die Mongolen unter. Ein Meister der Templer war am Kriegsrat vor der Schlacht beteiligt und interessantererweise namen etliche Templer an der Schlacht teil wo sie laut einem Brief der Templer an den König von Frankreich alle starben.

Daraufhin wurden diese Gebiete allesamt Territorium des Deutschen Ritterordens.
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#17
Und noch einige weitere Informationen:

http://www.vasallenchristi.de/Der_Orden ... orden.html
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#18
Quintus Fabius schrieb:....

Der hier schon erwähnte Schwertbrüderorden war in Livland und ging dann im Deutschen Orden auf. Es gab noch viele andere Orden, die meisten waren aber sehr klein und haben nur wenig bewirkt.

Der einzige heute noch existierende Orden sind die Malteser, die es irgendwie immer durch all die Jahrhunderte geschafft haben. Die haben heute noch im Vatikan ein eigenes Stück Land das nicht Kirchenstaat sondern Ordensstaat ist und sind immer noch Souverän im Sinne des Völkerrechts als Staat. Oberhaupt des Ordens ist der 78. Fürst und Großmeister Fra` Andrew Bertie
lieber Quintus, da muss ich Dir widersprechen. Infolge der Säkularisierung des Ordensstaates im Zuge der Reformation im Jahre 1525 und seiner Umwandlung in ein weltliches Herzogtum übte der Deutsche Orden (OT) zwar in Preußen und Livland keinen nennenswerten Einfluss mehr aus. Er bestand aber im Heiligen Römischen Reich mit erheblichem Grundbesitz, vor allem in Süddeutschland und Österreich - zu denen damals auch Südtirol und das Sudetenland gehörten - fort.
Mit dem Zerfall der Habsburger Donaumonarchie nach dem Ersten Weltkrieg ging neben dem Verlust erheblicher Besitztümer auch die ritterliche Komponente in der Ordensstruktur verloren. Seit 1929 wird er von Ordenspriestern geleitet und somit nach kanonischem Recht in der Form eines klerikalen Ordens geführt.
Der Deutsche Orden hat nach wie vor seinen Hauptsitz in Österreich unter dem Hochmeister Abt Dr. Bruno Platter.
http://www.deutscher-orden.at/
Eine Restitution in Deutschland erfolge nach dem 2. Weltkrieg.
http://www.deutscher-orden.de/
Zur Geschichte siehe
http://www.deutscher-orden.at/content/s ... index.html
http://www.deutscher-orden.de/all_geschichte_start.php
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#19
Der Deutsche Orden ist heute kein Ritterorden mehr wie du es ja auch geschrieben hast.
Und er hat keinen eigenen Staat mehr ! Er ist nur noch ein Orden von Priestern wie andere kirchliche Orden auch.

Das meinte ich damit, daß es nur noch einen Ritterorden gibt. Ich hätte natürlich besser Ritterorden statt Orden schreiben sollen.

Wenn man Orden weiter fasst, dann gibt es natürlich sehr viele Orden, von Mönchen bzw Priestern.

Aber es gibt heute nur noch einen Ritterorden.
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#20
@Quintus Fabius
Im Zusammenhang mit dem Deutschen Orden habe ich auch von einem Eidechsenbund gehört. Diesem wird gerne eine Mitschuld an der Niederlage des Ordens in der Schlacht von Tannenberg/Grunwald gegeben. War dieser Eidechsenbund eine Art Geheimbund innerhalb des Deutschen Ordens?
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#21
Zunächst mal hier die Wiki Version:

http://de.wikipedia.org/wiki/Eidechsenbund

Laut den Autoren Zimmerling und Kuowski die beide Bücher über den Deutschen Orden geschrieben haben wurde der Eidechsenbund jedoch 1398 gegründet.

Dieser war kein Geheimbund innerhalb des Ordens sondern ein Bund innerhalb der Preußischen Ritterschaft. Es gehörten aber einige wenige Deutschordensritter auch dem Bund an.

Der Ursprüngliche Zweck dieses Bundes war der Kampf gegen die Städte und das Bürgertum und der Kampf für den Erhalt der Klasse der Ritter. Es gab sehr ähnliche Bünde zu dieser Zeit auch an vielen anderen Stellen im Reich.

Der Bund lehnte dann auch die Politik des Hochmeisters des Deutschen Ordens ab und zettelte eine Verschwörung gegen den Hochmeister an die aber durch Verrat noch vor der Schlacht von Tannenberg aufflog. Zu dieser Verschwörung kam es durch den Komtur der Burg Rheden der vermutlich den Hochmeister persönlich nicht leiden konnte.

Der Gründer des Bundes Nickel von Renys wurde mit dem Tode bestraft und der Komtur wurde bis 1429 vom Orden in einem Verlies eingesperrt.

Nach dieser ersten Zerschlagung existierte der Eidechsenbund zwar noch, war aber zur Zeit der Schlacht numerisch sehr klein und ohne Bedeutung. Zur Zeit der Schlacht verweigerten einige Preußische Ritter die Heerfolge, nicht nur Ritter des Eidechsenbundes. Auf die Schlacht selber hatte der Bund keine Auswirkungen.

Bedeutend wurde erst nach der Niederlage als er durch eben diese Niederlage wieder massiven Zulauf erhielt.

Der Eidechsenbund hat also keine Mitschuld an der Niederlage sondern die Niederlage ist der Grund für den Aufstieg des Eidechsenbundes. Auch vor der Verschwörung war der Bund anfänglich sehr klein. Erst durch die Niederlage gelangte die Preußische Ritterschaft zu mehr Selbstständigkeit.

Am 14. März 1440 wurde dann in Elbing der Bund vor Gewalt gegründet, der im Wiki Text und in den meisten Geschichtswerken Preußischer Bund genannt wird. Sein eigentlicher Name war aber Bund vor Gewalt. Viele Mitglieder des Bundes waren zugleich auch Eidechsenritter und so erlangte der Eidechsenbund über den Bund vor Gewalt mehr Einfluss. Erst ab dieser Zeit ist der Eidechsenbund wirklich bedeutsam, also 30 Jahre nach der Schlacht.

Der Bund war auch zu dieser Zeit kein Bund innerhalb des Ordens, sondern ein Bund der Laien Ritter gegen den Orden. Nur ganz am Anfang waren einige wenige Deutschordensritter auch Mitglied. Dies aber einige Jahre vor der Schlacht und dies endete mit der Aufdeckung der Verschwörung gegen den Hochmeister wie obig beschrieben.
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#22
Was mich mal interessieren würde: Wie wurde eigentlich der Schwertbrüderorden in den Deutschen Orden integriert?
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#23
Zunächst mal die Wikipedia Version:

http://de.wikipedia.org/wiki/Schwertbr%C3%BCderorden

Zitat:Den Endpunkt setzte eine vernichtende Niederlage in der Schlacht von Schaulen 1236, die entweder im heute litauischen Šiauliai (deutsch Schaulen, lett. Saule) oder im lettischen Vecsaule stattfand. Sowohl Herrenmeister als auch die "Gebietiger" sowie ein Großteil kampffähiger Ritter und Gefolgsleute waren gefallen. Die Litauer stießen indes weiter vor und bedrohten Riga. Angesichts der unmittelbaren "heidnischen" Bedrohung durch die Litauer blieb nur noch ein Ausweg: Die verbliebenen Schwertbrüder wurden 1237 laut päpstlichem Schiedsspruch in der Viterber Union mit dem Deutschen Orden vereinigt. Ihr Besitz wurde auf den Deutschen Orden bei Wahrung eigener livländischer Verwaltung übertragen. 1237 traf der Landmeister im Pruzzenlande, Hermann Balk, als Bevollmächtigter des Hochmeisters Hermann von Salza beim durch die heidnischen Litauer schwer bedrängten Bischof in Riga ein. Die päpstlich beglaubigten Rechte des Deutschen Ordens wurden hier sofort anerkannt. Fortan übte ein Landmeister die Hoheitsrechte des Ordens in Livland aus.

Trotzdem blieben die preußischen und livländischen Ordenszweige sowohl administrativ als territorial getrennt. In Livland existierte, im Gegensatz zu Preußen, eine Teilung der Einflusssphären zwischen der Ordensgewalt und verschiedenen autonomen Bistümern. Bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts gehörten einige nördliche Teile Livlands zum Königreich Dänemark.

Hinzu kam die unterschiedliche Herkunft der Kader beider Ordenszweige: Während in Preußen vorwiegend mittel- und westdeutsche Ordensherren regierten, rekrutierte sich das Korps des livländischen Ordenszweiges überwiegend aus norddeutschen und dänischen Rittern. Darin spiegelte sich die Bindung dieses Landes an die Traditionen der gewaltsamen Missionierung der Liven und Esten Anfang des 13. Jahrhunderts wider: Die Verbreitung des Christentums im nördlichen Baltikum erfolgte über vorhanseatische Seeverbindungen von Stützpunkten wie Lübeck und dem dänischen Seeland aus.

Koordinierte Aktivitäten beider Ordenszweige im andauernden Krieg gegen das Großfürstentum Litauen blieben angesichts dieser Konstellation die Ausnahme. Herausragendes Beispiel ist die Abwesenheit des gesamten livländischen Ordenszweiges während der entscheidenden Kampagne von 1410, die zur Katastrophe in der Schlacht bei Tannenberg führte. Der livländische Landmeister Conrad von Vytinghove berief sich auf einen mit dem litauischen Großfürsten Vytautas vereinbarten Waffenstillstand. In den kriegerischen Auseinandersetzungen des preußischen Ordensstaates mit Polen und dem preußischen Bund blieb der livländische Ordenszweig weitgehend neutral und wurde daher nicht in die Verhandlungen mit dem Königreich Polen nach Beendigung der Kampfhandlungen eingebunden. Preußen wurde 1525 zum weltlichen Herzogtum, während der livländische Ordensstaat erst 1561 zum Herzogtum Kurland und Semgallen sowie das Herzogtum Livland säkularisiert wurde.

Dazu ergänzend:

Es gab schon deutlich vor 1236 mehrere Versuche der Schwertbrüder mit dem Deutschen Orden zusammen zu gehen. Dabei wollten die Schwertbrüder aber im Endeffekt nur Ritter, Kämpfer und Mittel des Deutschen Orden für sich, ohne dafür im Gegenzug die Herrschaft des Hochmeisters des Deutschen Ordens anzuerkennen. Schon 1229 gab es erste Versuche der Schwertbrüder sich in den Deutschen Orden auf diese Weise zu "integrieren", die natürlich auf wenig Gegenliebe oder auch nur Interesse stießen.

Von Seiten der Kirche wie des Deutschen Ordens wurde der Schwertbrüderorden massiv kritisiert, die Ritter würden heidnische Sitten ausüben. sich nicht an päpstliche bzw kirchliche Anweisungen und Gebote halten, Kirchenbesitz für sich beschlagnahmen, und sich weltlichen Freuden hingeben. Dazu sollte man allerdings wissen, dass die Ordensregeln der Schwertbrüder eigentlich viel strenger waren als die des Deutschen Ordens.

Das eigentliche Problem der Schwertbrüder war es, dass sie viel zu agressiv vorgingen, und ständig horrende Verluste erlitten. Auch schon vor der Schlacht die dann als Hauptgrund für das Zusammen gehen mit dem Deutschen Orden genannt wird erlitten die Schwertbrüder fortlaufend so hohe Verluste, dass ihr Orden im Verhältnis zu seinen Eroberungen winzig war und diese deshalb nicht wirklich kontrollieren konnte.

Die Aufnahme der Schwertbrüder in den Deutschen Orden erfolgte gegen den Widerstand der Mehrheit ihrer Ritterbrüder und auf den direkten Befehl des Papstes. Praktisch vorgenommen wurde sie in einer Zeremonie, in der den Ritterbrüdern des Schwertbrüder Ordens von Hermann Balk der Ordensmantel des Deutschen Ordens umgehängt wurde.

Trotz dieser Vereinigung gelang es den Überlebenen Schwertbrüdern den Zweig des Deutschen Ordens in Livland wie bei Wiki schon angesprochen entscheidend zu prägen und eine gewisse Unabhängigkeit der Ordensritter in Livland vom Rest des Deutschen Ordens zu erreichen.

Ein primäres Problem der Integration der Schwertbrüder in den Deutschen Orden waren deren massive und zum großen Teil persönliche Differenzen mit der Kirche in Livland und mit den Dänen. Obwohl die Schwertbrüder jetzt einfach Teil des Deutschen Ordens waren und die nach Livland gesandten Deutschen Ordensritter zahlenmäßig dreimal so stark waren wie die Überlebenden Schwertbrüder, griffen diese ohne Wissen des Landmeisters 1238 dänische Besitzungen an um diese zu plündern. Der Landmeister des Deutschen Ordens musste darauf hin den Dänischen König Waldemar persönlich aufsuchen und Dänemark erhielt die Burg Reval zugesprochen. König Waldemar sicherte im Gegenzug zu, gegen den Orden in Livland nicht vorzugehen.

Die zu Deutschen Rittern gewordenen Schwertbrüder schickte der Landmeister dann von Reval aus zusammen mit einem Kreuzzugsheer das zu dieser Zeit in Livland eingetroffen war in einen Feldzug gegen Russland, zum einen um sie im Kampf Seite an Seite mit den Deutschen Ordensrittern in den Orden besser zu integrieren, zum anderen um die Dänen zu beruhigen, zum dritten damit möglichst viele von ihnen umkämen.

Der Feldzug verlief jedoch wider erwarten in seiner ersten Phase sehr erfolgreich und es wurden zwei wichtige Burgen von den Schwertbrüdern eingenommen sowie das Gebiet von Pleskau. Dann kam es zur Schlacht auf dem Peipussee, wo zwar viele Ordensritter und Kreuzfahrer fielen, jedoch primär solche aus Preußen und Dänische Ritter. Die Livländischen Ritter hatten in dieser Schlacht die geringsten Verluste und konnten sich erfolgreich den Heimweg frei kämpfen.

Statt sich einzuordnen gelang es den Schwertbrüdern nun im gegenzug, viele der Deutschen Ritter auf ihre Seite zu ziehen und somit durch diesen Feldzug die Sonderstellung des Livländischen Zweiges des Deutschen Ordens zu begründen. Da die militärische Lage in Preußen selbst zu dieser Zeit aufgrund eines Aufstandes schlecht war, musste Hermann Balk nach Preußen zurück kehren, und konnte sich nicht weiter um die Probleme in Livland kümmern. Aufgrund seiner Rückkehr nach Preußen hatte der Livländische Zweig des Deutschen Ordens erneut das Problem mangelnder militärischer Unterstützung, da viele der Deutschen Ritter wieder nach Preußen zurück kehrten. Zum einen verstärkte das dein Einfluss der Überlebenen Schwertbrüder auf den Livländischen Ordenszweig weiter, zum anderen machte es politische Zugeständnisse an die Dänen notwendig. Der Livländische Zweig des Deutschen Ordens schloss deshalb mit Waldemar von Dänemark einen Vertrag, dass neue Eroberungen des Ordens immer zur Hälfte an Dänemark und zur anderen Hälfte an den Orden gehen sollten. Dafür unterstützte Dänemark wiederum den Orden militärisch durch Nachschub, Waffen, Geld und es traten viele Dänische Ritter in den Deutschen Orden ein. Dadurch erhielt sich aber erst recht der Sonderweg des Livländischen Zweiges des Deutschen Ordens, wie bei Wiki auch erwähnt aufgrund der Abstammung der Ritter.

Die Dänische Abstammung vieler der Livländischen Ritter führte dazu, dass dieser Zweig des Ordens nie wirklich ganz in den Deutschen Orden integriert wurde, da die Ritter des Deutschen Ordens in allen anderen Teilen des Ordenslandes eine andere ethnische Abstammung / Herkunft hatten.

Trotzdem betrachteten sich die Livländischen Ritter ab dem Abkommen mit Dänemark absolut als Deutsche Ordensritter, und sich selbst als ein Teil des Deutschen Ordens, oft sogar für die Elite dessselben. Von daher war die Integration in so weit geglückt, als das der Livländische Zweig des Deutschen Ordens sich im weiteren als Teil des Ordens begriff und zumeist dem Hochmeister gehorchte.
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#24
Der Schwertbrüderorden

Buchempfehlung:

Der Orden der Schwertbrüder von Benninghoven, ein ausführliches Werk zur kurzen aber äußerst ruhmreichen Geschichte dieses Extremen Militärordens.


Genau genommen hießen die Schwertbrüder gar nicht so, sondern wurden nur aufgrund ihres Ordenszeichens so genannt, einem roten Schwert auf weißem Grund. Der wahre Name des Ordens war:

Ritterschaft Christi von Livland

Selbst nannten sich die Ordensritter oft einfach Christusritter. Bei Wikipedia und in den meisten Büchern steht nun, dass der Bischof von Riga diesen Ritterorden gegründet hat. Das ist aber ganz genau genommen nicht richtig, der eigentliche Ordensgründer war ein Zisterzienser Abt, Theoderich von Treiden. Die ersten Ritter wurden im Raum von Lübeck rekrutiert, der Orden bildete sich im Jahr 1201 (und nicht 1202 wie es oft geschrieben steht).

Hintergrund ist der im Jahr 1200 gepredigte Kreuzzug gegen die Livländer, der zur Bildung eines Norddeutschen Kreuzzugsheeres führte, dass dann nach Livland zog. Einige der Norddeutschen Ritter dieses Kreuzzugsheeres bildeten dann die ersten Ritter des Schwertbrüderordens.

Im Jahr 1204 anerkannte dann der Papst den neuen Ritterorden und stellte ihn in diesem Jahr offiziell unter die Kontrolle des Bischofs von Riga, Albert von Buxhovden. Gemäß den Weisungen des Papstes sollten die Ritter die Lande des Bischofs durch Eroberung mehren (was sie tatsächlich einige Zeit lang machten) und die Bischofsburg in Riga bewachen (was nie taten, was der Bischof aber angesichts der weiteren Entwicklung nicht mehr einforderte). Der Orden war aber während seiner gesamten Zeit meistens eher in Opposition zum Bischof (dann Erzbischof) von Riga. Offiziell war der Bischof von Riga die oberste Gewalt in Livland, und zwei drittel aller Eroberungen die der Orden im weiteren machen sollte, sollte gemäßt päpstlicher Anweisung direkt dem Bischof übergeben werden.

Von 1204 bis 1208 eroberten die Schwertbrüder dann tatsächlich einen Großen Teil von Lettland und Estland, was ihnen zum einen aufgrund ihrer extrem agressiven Kriegsführung mit sehr hohen eigenen Verlusten, zum anderen vor allem aufgrund von Stammeskämpfen zwischen den Livländischen Stämmen gelang. Die eigenen Verluste waren aber so hoch, dass die eroberten Gebiete nicht gehalten werden konnten und bei alsbald ausbrechenden Aufständen bis 1223 vollständig wieder verloren gingen.

1224 kam dann ein neues Kreuzzugsheer nach Livland und die verlorenen Gebiete wurden von den Schwertbrüdern wieder erobert. Zugleich kam es zu Kämpfen der Schwertbrüder mit den Truppen des Bischofs von Riga und den Aufgeboten der Bürger der Stadt Riga. Der Bischof wollte die Fortschritte des Ordens in Grenzen halten und die Vorherrschaft seines Bistums mit allen Mitteln durchsetzen. Da sich der Orden aufgrund von übertrieben wortwörtlicher Auslegung der päpstlichen Anweisungen seinem Griff in den Grenzgebieten von Livland vollständig entzog, gründete der Bischof von Riga ein neues Bistum in diesen Grenzgebieten und zwar das Bistum von Dorpat. Beim Papst erlangte der Bischof von Riga dann die Ernennung seiner selbst zum Erzbischof.

Der Schwertbrüderorden reagierte darauf, indem er sich mit den Bürgern von Riga verbündete, die die Herrschaft des Bischofs ebenso ablehnten. Außerdem knüpfte der Orden eigene diplomatische Beziehungen zu den Norddeutschen Städten aus denen die meisten Ordensritter zu dieser Zeit noch stammten. Es gelang dem Orden so den Bischof zu kontern und bis 1235 sich ein eigenes völlig unter der Kontrolle des Ordens stehendes Gebiet in den Semgallen, im Kurland und südlich der Duna zu schaffen.

Um 1235 flauten die Konflikte in Livland dann stark ab, es war ein Machtgleichgewicht entstanden, bei dem alle Seiten ungefähr gleich viel Land besaßen und gleich stark waren, so dass keine der Seiten mehr voran kam. Livland war zu dieser Zeit gedrittelt, zwischen dem Herrschaftsgebiet des Erzbischofs von Riga, dem Herrschaftsgebiet der Ordensbrüder und verbliebenen freien heidnischen/christlichen Livländischen Stämmen.

Dieses Machtgleichgewicht zerbrach durch die Landnahme der Dänen in Estland und die Ansprüche des Dänischen Königs auf Livland und den zugleich stattfindenden Versuch des Schwertbrüderordens, das Machtgleichgewicht durch neue Eroberungen im heidnischen Gebiet zu seinen Gunsten zu durchbrechen. Der Orden fiel mit allen verfügbaren Kräften im Jahr 1236 in Litauen ein um dieses Gebiet für sich zu erobern und damit die eigene Machtbasis auszubauen. Nach anfänglichen spektakulären Erfolgen endete der Feldzug jedoch am 22 September 1236 in einer vollständigen Niederlage des Ordens in der Schlacht von Saule gegen die vereinten heidnischen Stämme der Kuren, Letten, Esten und Litauer.

Wie schon beschrieben boten die Schwertbrüder darauf hin an, dem Deutschen Orden beizutreten. Dies war jedoch gegen den ausdrücklichen Willen des Erzbischofs von Riga, der insgeheim sehr froh über die Niederlage des Ordens war. Es enstand ein diplomatisches Tauziehen zwischen dem Orden und dem Erzbischof das der Papst dann mit einer Bulle am 14 Mai 1237 beendete. Der Schwertbrüderorden wurde in den Deutschen Orden eingegliedert, aber der Papst bestimmte zugleich, dass der Deutsche Orden nur ein drittel seine Eroberungen in Livland behalten dürfe, der Rest müsse an den Erzbischof gehen. Des weiteren schrieb der Papst vor, dass der Ordenszweig in Livland ein eigenes militärisches Oberkommando und einen eigenen Landmeister haben müsse und nicht dem Meister von Preußen unterstellt sein dürfe.

Noch darüber hinaus ordnete de Papst an, dass der als Reichsfürst anerkannte Erzbischof von Riga im Gegenzug die Hoheit auch über alle preußischen Bistümer erhalten solle. Die Bulle anerkannte zwar den Vorrang des Deutschen Ordens in Preußen, übergab aber zumindest die geistliche Gerichtsbarkeit in Preußen dem Erzbischof in Livland.

Diese Zwistigkeiten nutzten die Dänen um in Livland Fuß zu fassen. Sie boten sich dabei zugleich wenn es ihnen nützte dem Orden dort als Verbündete gegen den Erzbischof an. In der Folge dessen entstand in Livland dann eine Teilung der Macht und des Landbesitzes zwischen dem Erzbischof von Riga, den Dänen und dem Deutschen Orden.

1238 besetzten die Dänen das Gebiet von Wierlanden, und gerieten dadurch in den Konflikt mit dem Deutschen Orden in dem dieser aber wie obig ausgeführt unterlag. Die Dänen gewannen dadurch das Gebiet von Reval wie schon erwähnt dazu, kämpften aber dann mit dem Deutschen Orden zusammen gegen den Erzbischof und im Nordosten ihres Gebietes gegen die Russen. Es gelang dem Livländischen Zweig des Deutschen Ordens zusammen mit den Dänen den Russen den Zugang zur Ostsee weitgehend zu sperren, was nach der Eroberung von Pleskau durch den Orden dann zum Krieg mit Nowgorod führte. Schon 1240 hatte Nowgorod mit einem schwedischen Kreuzzug zu kämpfen, der in sein Gebiet eingefallen war. 1242 folgte diesem dann ein Kriegszug des Deutschen Ordens der jedoch in der Schlacht auf dem Peipussee am 5 April 1242 abgeschlagen wurde.

Einer der Gründe für diese Niederlage war der ständige Wiederstand der Bischöfe von Livland gegen den Orden und insbesondere die Angriffe des Erzbischofs von Riga, die sich in einem regelrechten Propaganda Feldzug gegen den Orden entluden. Das ganze ging so weit, dass der Erzbischof Feinde des Ordens in Livland ganz offen militärisch unterstützte bis dahin, dass Truppen des Bischofs eine Burg des Ordens eroberten und schleiften.

Aus den vielen Schmähschriften die der Klerus von Livland gegen den Orden beim Papst einreichte und die bis heute erhalten sind, kann man sehr gut ersehen, dass die Integration der Schwertbrüder in den Deutschen Orden keine Einbahnstraße war, sondern dass die Schwertbrüder den Livländischen Zweig des Deutschen Ordens massiv beeinflussten. Der ganze Konflikt mit dem Erzbistum Riga hatte ja seinen Ursprung in der Fehde der Schwertbrüder mit diesem. Aber auch vom Verhalten her unterschieden sich die Ritter in Livland vom Rest des Ordens.

Eine Besonderheit war es beispielsweise, dass die Livländischen Ritter eigene Verwundete töteten, damit diese den Fortgang der Kämpfe nicht behinderten. Außerdem verbrannten sie ihre Toten. Beides war gegen die Katholische Lehre und von einer extremen Härte die die des Deutschen Ordens in anderen Gebieten weit übertraf. Die Ritter in Livland galten zudem als sittenstrenger was die Keuschheit und das Leben unter Entbehrungen angeht, gleichzeitig aber als viel zu diesseitig und zu wenig religiös. Insbesondere in der Anfangszeit lebten die Ritter in Livland in extremer Armut und im Gegensatz zu allen anderen Ritterorden wurde ihnen selbst von ihren ärgsten Feinden nie der Vorwurf gemacht, dass sie Frauen geschändet hätten oder das sie Homosexualität toleriert hätten, die gerade bei anderen der Ritterorden weit verbreitet war. Dafür wurde ihnen Vorgeworfen, Heidnische Bräuche (wie das Verbrenen der Toten) übernommen zu haben, nicht zu beten und keine bzw viel zu wenige Gottesdienste zu halten.

Desweiteren wurde den Schwertbrüdern und dann dem Livländischen Zweig des Deutschen Ordens vorgeworfen, dass sie keinerlei Interesse an der Mission der Heiden hätten, sondern diese einfach immer nur umbringen würden, völlig gleich ob sich diese zum Christentum bekehren wollten oder nicht. Die Schwertbrüder sollen zudem Sklavenjagden veranstaltet haben.

Die extreme Härte, geringe Religiösität bei zugleich extrem strenger Einhaltung der Ordensregeln im Inneren (Keuschheit, Armut, Gebot zum Kampf usw) machten die Schwertbrüder zu einem Orden der sich aufgrund seiner Strenge deutlich von den anderen Ritterorden dieser Zeit unterschied. Insbesondere ging der Orden extrem brutal gegen Homosexuelle vor (wobei aber nur wenige Fälle bekannt sind, was sicher daran liegt, dass solcherart veranlagte Ritter sich diesem Orden eher nicht anschlossen), die in anderen Orden in dieser Zeit insgeheim toleriert wurden.

In der Kriegsführung waren die Schwertbrüder einer der, oder sogar der agressivste aller Ritterorden, was zugleich zu so hohen eigenen Verlusten führte, dass der Orden sich nur kurze Zeit halten konnte. Auch nach der Aufnahme in den Deutschen Orden prägten die Schwertbrüder dann den Livländischen Zweig des Deutschen Ordens noch lange Zeit.
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