Medienkritik: Meinungsbildung oder Stimmungsmache?
(Gestern, 10:31)Rudi schrieb: Aber es ist eigentlich selbstverständlich, daß hier nur die gemeint sind, die die Einladung angenommen haben, denn die anderen können der JF gar nicht bekannt sein.
Trotzdem ist es dann problematisch, ohne dieses Wissen einen Vorwurf zu formulieren.

Zitat:Das nenne ich mal linke Dialektik in Reinkultur. Hier wird die Benachteiligung der AfD konsterniert und Du sagst, wenn wir die AfD außen vor lassen, sind die Zahlen doch ganz ordentlich.
Dein Beitrag enthielt mehrere Vorwürfe, auf die ich einzeln eingegangen bin:
Zitat:(1.) Die AfD wird weitgehend verbannt. (2.) Unterrepräsentiert ist auch die Union. (3.) Überrepräsentiert sind dagegen SPD, (4.) Grüne und die Linkspartei
(1.) Die eklatante Unterrepräsentation der AfD habe ich nicht bestritten, sondern mich mit den vermeintlichen Ursachen auseinander gesetzt.

Die genauere Analyse der Zahlen sollte dann lediglich aufzeigen, dass die weiteren Vorwürfe hinsichtlich (2.) einer Benachteiligung der Union sowie (3.) der Bevorteilung der SPD falsch sind und auch (4.) die Überrepräsentation von Grünen und Linken zum einen nur sehr gering ausfällt, zum anderen nachvollziehbare Gründe hat. Das hat aber nichts damit zu tun, dass die AfD ganz offensichtlich nur wenige Auftritte in den betrachteten Formaten hatte.

Das ist offensichtlich so und kann mehrere Gründe haben. Einer wäre, dass der ÖRR verständlicherweise nur die bekannten Spitzenpolitiker der Partei anfragt, die dann häufig ablehnen. Ein anderer Grund, der hierzu häufig angeführt wird, ist dass Diskussionsteilnehmer in diesen Sendungen auch einen nennenswerten Beitrag zum behandelten Thema einbringen können sollten. Das wird der AfD aber bei vielen Themen von vornherein abgesprochen. Verständlicherweise sieht die Partei selbst das natürlich anders und entspricht das auch keinem Proporz, aber wie Quintus schon zurecht anmerkte: Darauf gibt es keinen Anspruch und das steht auch nicht der Objektivität und Neutralität entgegen. Es würde auch niemand Vertreter der Tierschutzpartei zu einer Diskussion über die Lieferung von Panzern an die Ukraine einladen, obwohl sie durch ihre 1,5% Wahlergebnis spätestens bei der 67. Sendung rechnerisch dran wären. Das ist natürlich ein hinkender Vergleich, aber die AfD ist halt nicht gerade dafür bekannt, in ÖRR-Diskussionsrunden konstruktiv mitzuwirken. Stattdessen nutzt sie jede ihr dadurch gebotene Möglichkeit, den ÖRR anzugreifen. Da ist es schon verständlich, dass die Anzahl der Teilnahmen mit der Zeit immer weniger werden. Noch vor zwei Jahren war diese deutlich höher, was mMn auch an Hr. Meuthen lag, der deutlich konstruktiver aufgetreten ist als es bspw. Weidel und Chrupalla praktizieren.
Ein weiterer Faktor ist sicherlich die in der Corona-Zeit praktizierte Nähe zu Querdenkern, denen seitens des ÖRR kein Forum gegeben werden sollte. Das teilweise groteske Auftreten von AfD-MdBs in dieser Zeit dürfte auch seinen Teil dazu beigetragen haben, dass man wenig gewillt war, diese Partei mit in die Gesprächsrunden zu nehmen. Das war natürlich ein tatsächlicher Ausschluss einer bestimmten Meinung aus der dort geführten Diskussion, ja. Das kann man kritisieren, aber auch nachvollziehen.
Im letzten Jahr kam dann noch hinzu, dass die Ukraine das über alle Maßen dominierende Thema dieser Sendungen wurde und die dazu eingenommene Position der AfD in keiner ernstzunehmenden Diskussion einen sinnvollen Beitrag hätte leisten können. Und selbst wenn man diese Position mal in einer Runde besetzen wollte, dann konnte man dies besser mit Vertretern der Linkspartei erreichen.

Zitat:Wenn man die Fakten nicht widerlegen kann, wird die Seriosität der Quelle angezweifelt und sich dann mit den Fakten nicht mehr beschäftigt.
Ich habe in diesem Fall gar nicht die Seriosität angezweifelt, sondern lediglich geäußert, dass ich deine Verwunderung nicht teilen kann. Für mich ist es nichts ungewöhnliches, dass ein Springer-Medium den ÖRR kritisiert. Diese Aussage hat rein gar nichts mit dem Inhalt der Kritik zu tun, mit der habe ich mich tatsächlich gar nicht beschäftigt. Aber dazu habe ich mich entsprechend auch nicht geäußert. Dass die WELT auch einige gute Journalisten hat, habe ich selbst hier in der Vergangenheit schon anerkannt und dass auch Vertreter des ÖRR teilweise übers Ziel hinausschießen ist ebenfalls nichts neues.

Nicht jeder Kommentar von mir ist ein Angriff oder Kritik. Dieser war lediglich eine Feststellung bzw. das Hinterfragen einer für mich nicht nachvollziehbaren Äußerung deinerseits.
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(Gestern, 12:43)Broensen schrieb: Ich habe in diesem Fall gar nicht die Seriosität angezweifelt, sondern lediglich geäußert, dass ich deine Verwunderung nicht teilen kann. Für mich ist es nichts ungewöhnliches, dass ein Springer-Medium den ÖRR kritisiert. Diese Aussage hat rein gar nichts mit dem Inhalt der Kritik zu tun, mit der habe ich mich tatsächlich gar nicht beschäftigt. Aber dazu habe ich mich entsprechend auch nicht geäußert. Dass die WELT auch einige gute Journalisten hat, habe ich selbst hier in der Vergangenheit schon anerkannt und dass auch Vertreter des ÖRR teilweise übers Ziel hinausschießen ist ebenfalls nichts neues.

Nicht jeder Kommentar von mir ist ein Angriff oder Kritik. Dieser war lediglich eine Feststellung bzw. das Hinterfragen einer für mich nicht nachvollziehbaren Äußerung deinerseits.

OK, das hatte ich dann falsch verstanden. Mir ist immer nicht die Person wichtig, sondern der Inhalt. Im öffentlichen Bereich ist das mittlerweile durchaus anders.

Was sagst Du dazu, daß der "Faktenchecker" des ÖRR, der ja mit diesem Anspruch ganz besonders seriös sein sollte, die Fakten einfach leugnet, verdreht und Lügen verbreitet ? Das ist ja ganz klar kein Versehen. Hat die Tagesschau bereits darüber berichtet und das richtig gestellt ? Gibt es irgendwelche Konsequenzen ? Berichten die anderen Medien oder wird wieder kollegial geschwiegen und der Bürger nicht beunruhigt ?

Und das Interessantere, was ist passiert, daß ein Leitmedium auf einmal über solche Vorfälle berichtet ? Hängt das mit den jüngsten Vorwürfen durch CDU und SPD gegen den ÖRR zusammen ? Bricht hier der Rückhalt in den etablierten Parteien weg ?

(Gestern, 12:43)Broensen schrieb: Stattdessen nutzt sie jede ihr dadurch gebotene Möglichkeit, den ÖRR anzugreifen. Da ist es schon verständlich, dass die Anzahl der Teilnahmen mit der Zeit immer weniger werden.

Das machen sie in der Tat und sie greifen sogar die Regierung an ! Da kann man wirklich verstehen, daß sie in den Staatsmedien keine Plattform bekommen. Es gibt eben Grenzen für Kritik. Und dann noch öffentliche Kritik im Fernsehen, wo jeder sie sehen kann ! Das kann man sich nicht leisten in diesen Zeiten.

(Gestern, 12:43)Broensen schrieb: Ein weiterer Faktor ist sicherlich die in der Corona-Zeit praktizierte Nähe zu Querdenkern, denen seitens des ÖRR kein Forum gegeben werden sollte. Das teilweise groteske Auftreten von AfD-MdBs in dieser Zeit dürfte auch seinen Teil dazu beigetragen haben, dass man wenig gewillt war, diese Partei mit in die Gesprächsrunden zu nehmen. Das war natürlich ein tatsächlicher Ausschluss einer bestimmten Meinung aus der dort geführten Diskussion, ja. Das kann man kritisieren, aber auch nachvollziehen.

Aber Du hast schon zur Kenntnis genommen, daß ein Großteil dieser Kritik mittlerweile bestätigt ist. Selbst Lauterbach gibt viele Fehler zu. Wobei er natürlich nicht Schuld daran war, sondern die Experten, die ihm falsche Ratschläge gegeben haben.

Die Schulschließungen bspw. beschäftigen jetzt den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Das hätte sich die Regierung mit Lauterbach ersparen können, hätten sie ein bissl auf den einen oder anderen Queerdenker gehört. Aber das passiert eben, wenn Kritiker verteufelt und vom öffentlichen Dialog ausgeschlossen werden. Das kann man menschlich und machtpolitisch verstehen, führt aber gerne zu falschen Entscheidungen.

Du findest den Auftritt mancher AfD-Politiker grotesk, ich dagegen das Auftreten vieler Regierungspolitiker und ich denke nicht nur an Lauterbach.

https://www.deutschlandfunk.de/menscheng...n-104.html
Menschengerichtshof verlangt Stellungnahme zu Schulschließungen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verlangt nach einem Medienbericht von der Bundesregierung eine Stellungnahme zu Schulschließungen während der Corona-Pandemie.
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(Gestern, 15:20)Rudi schrieb: Was sagst Du dazu, daß...?
Nichts. Ich habe weder Zeit, noch Lust, mich für diesen konkreten Fall ausreichend zu informieren, um dann eine fundierte Antwort geben zu können.

Zitat:Und das Interessantere, was ist passiert, daß ein Leitmedium auf einmal über solche Vorfälle berichtet ? Hängt das mit den jüngsten Vorwürfen durch CDU und SPD gegen den ÖRR zusammen ? Bricht hier der Rückhalt in den etablierten Parteien weg ?
Genau darauf wollte ich doch hinaus, dass es eben kein interessantes, neues Phänomen ist, dass ein deutsches Leitmedium eine Kritik am ÖRR veröffentlicht. Das ist nichts außergewöhnliches, das man in ein größeres Bild einordnen müsste, das dann offenkundig dem eigenen Narrativ dient. Das typische Mittel der offenen Frage als Anreiz zum selbst nachdenken und hinterfragen tut hier sein übriges.

Zitat:Das machen sie in der Tat und sie greifen sogar die Regierung an ! Da kann man wirklich verstehen, daß sie in den Staatsmedien keine Plattform bekommen. Es gibt eben Grenzen für Kritik. Und dann noch öffentliche Kritik im Fernsehen, wo jeder sie sehen kann ! Das kann man sich nicht leisten in diesen Zeiten.
Das habe ich nicht gesagt. Ich sprach nicht von Staatsmedien, sondern vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dessen journalistisches Handeln in diesem Zusammenhang halte ich nachvollziehbar. Du machst daraus gerade ein staatliches Handeln, das nicht vorliegt, wenn eine ÖRR-Redaktion eine Diskussionsrunde besetzt.

Zitat:Aber Du hast schon zur Kenntnis genommen, daß ein Großteil dieser Kritik mittlerweile bestätigt ist.
Ich habe mich in den letzten Jahren schon nicht auf Corona-Diskussionen eingelassen, das werde ich hier jetzt nicht ändern.
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(Gestern, 17:13)Broensen schrieb: Nichts. Ich habe weder Zeit, noch Lust, mich für diesen konkreten Fall ausreichend zu informieren, um dann eine fundierte Antwort geben zu können.

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Ich habe mich in den letzten Jahren schon nicht auf Corona-Diskussionen eingelassen, das werde ich hier jetzt nicht ändern.

Schade, da entgehen Dir höchst wichtige Themen. Jetzt verstehe ich Deine eher unkritische Einstellung auch besser.
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(Gestern, 19:03)Rudi schrieb: Schade, da entgehen Dir höchst wichtige Themen. Jetzt verstehe ich Deine eher unkritische Einstellung auch besser.

Da schlussfolgerst du jetzt schlichtweg falsch. Als liberal geprägter Mensch habe ich durchaus eine differenzierte Meinung zu vielen Aspekten der Corona-Politik in diesem Land und die ist absolut nicht unkritisch. Nur bin ich einfach nicht gewillt, Zeit und Nerven in polarisiert geführte Online-Diskussionen zu investieren, die niemanden weiterbringen.

Und beim Faktencheck interessiert es mich tatsächlich nicht wirklich, ob da jemand beim ÖRR schlecht gearbeitet hat oder nicht. Ich bin mir nämlich durchaus darüber bewusst, dass so etwas dort passiert. Und wenn die WELT das ausführlich aufarbeitet, gehe ich erstmal davon aus, dass das nicht vollkommen aus der Luft gegriffen ist. Nur ist das für mich kein Skandal, der es wert ist, dass ich meine Zeit dafür investiere.
Hätte ich etwas mehr Zeit, würde ich mich vielleicht auch mit dem eigentlichen Inhalt beschäftigen und mir dann ein eigenes Bild machen, aber sicher nicht wegen der medialen Einordnung, sondern wegen dem wissenschaftlichen Inhalt, auch wenn ich nicht davon ausgehe, dass ich danach meine Meinung zum Thema des menschengemachten Klimawandels fundamental ändern würde. Und auch meine Ansichten zum ÖRR werden sich dadurch nicht ändern, weil ich diesen schon jetzt nicht gänzlich unkritisch betrachte. Nur sehe ich halt keine staatlich oder anderweitig gelenkte Propaganda in dem, was der ÖRR macht. Das ist in meinen Augen nur gegenstandslose Polarisierung und narrative Überhöhung. Da bringt es dann eigentlich nicht viel, dagegen an zu diskutieren. Aber manches möchte ich hier auch einfach nicht unkommentiert stehen lassen, das tut einem sehr "Meinungs-toleranten" Forum wie diesem hier mMn nicht gut.
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Die ganze Corona Thematik lassen wir hier bitte.

Rudi:

Mal was ganz anderes, eine komplett andere Fragestellung: Warum beschäftigt dich diese Thematik so sehr, anscheinend mehr als alles andere? Warum ist dir das so wichtig? Gab es da irgendein Initialereignis oder ist das langsam organisch gewachsen?

Denn Fakt ist, dass deine Sichtweise auf die Medien des ÖRR eine komplett andere ist als die der Mehrheit und zwar nicht dahingehend, dass du als einer von wenigen nicht manipuliert wärst oder dass die anderen einfach alle blind medienhörig wären etc. sondern vor allem anderen in der Gewichtung dieses Themas.

Fast alle Menschen die ich so kennen gelernt habe, glauben nicht daran, dass die Medien des ÖRR neutral die Wahrheit berichten, die gehen allesamt davon aus, dass da regelmässig etwas nicht stimmt oder nicht ganz korrekt ist. Der wesentliche Unterschied ist der, dass es diesen Leuten egal ist. Sie gewichten dies nicht so wie du es tust.

Weil es weder für ihre persönliche Meinung noch für ihr Leben die Bedeutung hat, welche du anscheinend dem ÖRR zuschreibst. Warum aber hat der ÖRR und seine Unzulänglichkeiten (die niemand (!) bestreitet, die nicht einmal die Politik und der ÖRR selbst bestreiten) dann für dich eine solche Bedeutung? Warum ist der ÖRR für dich so wichtig, wo er für so viele andere so unwichtig ist ?
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Beim Faktencheck des Faktenchecks fällt auf, dass über weite Strecken keine eigene Interpretation oder Einordnung erfolgt, sondern drei Wissenschaftler und ein externer Journalist die genannte Grafik bewerten. Dazu wird eine Studie verlinkt (die daraus abgeleitete Aussage ist nicht verfälscht) und eine Aussage aus dem IPCC-Bericht widergegeben (die daraus abgeleitete Aussage ist nicht verfälscht, allerdings könnte deutlicher herausgestellt werden, dass diese Zahl für den schlechtesten Entwicklungspfad ohne irgendwelche Klimaschutzmaßnahmen gilt). Auf letzteres gehe ich gleich noch ein. Ebenfalls anzumerken ist, dass im Faktencheck klar zwischen der Verwendung der Grafik durch Dritte und der expliziten Aussage von Lomborg hinsichtlich der ökonomischen Aspekte unterschieden wird.

Wenn man von den beiden genannten Verlinkungen absieht beschränkt sich die journalistische Arbeit auf die Auswahl der zu Wort kommenden Wissenschaftler und die kritische Prüfung der jeweiligen Aussagen. Ersteres wird im Weltartikel nicht gemacht, letzteres schon:

"Die zugrundeliegenden Daten der Emergency Events Database (EM-DAT) des Centre for Research on the Epidemiology of Disasters (CRED) sind unstrittig, sie sind abrufbar auf der Seite „Our World in Data“ und werden in Studien verwendet, wie der „Tagesschau-Faktenfinder“ selbst unterstreicht.

"Dennoch verlautbart der „Faktenfinder“: „Im Netz kursiert eine Grafik, die einen Rückgang der klimabedingten Todesfälle in den vergangenen Hundert Jahren zeigt, um die Folgen des Klimawandels zu verharmlosen. Dabei ist die Grafik aus vielerlei Hinsicht irreführend.“"


Die Verwendung des "dennoch" ist suggestiv, es impliziert einen prinzipiellen Gegensatz zwischen den beiden Aussagen, der faktisch nicht vorhanden ist, denn seriöse Daten können irreführend verwendet werden. Aber gut, vielleicht ja semantische Haarspalterei. Weiter im Text:

"Umweltökonom Lomborg muss seit mehr als 20 Jahren als Hassfigur herhalten. Er wird von manchen als „Klimaleugner“ gescholten, weil er die Folgen des Klimawandels für weniger schlimm hält als andere und beschwichtigende Befunde verbreitet.
Lomborg hat allerdings sein Berufsleben der Lösung des Klimaproblems verschrieben. Sein Ansatz, den er am Forschungsinstitut „Copenhagen Consensus Center“ zusammen mit prominenten Ökonomen verfolgt, verlagert die Deutungshoheit: Das Klimaproblem müsse aufgrund begrenzter Ressourcen gleichzeitig mit anderen Menschheitsproblemen möglichst effizient gelöst werden mit dem besten Ergebnis für möglichst viele Menschen."


Die gesamte Formulierung, "Hassfigur", "von manchem", "Klimaleugner", "beschwichtigende Befunde", etc. suggerieren eine willkürliche Opfer- und Täterrolle. Nicht erwähnt wird, dass Lomborg schon seit Jahren von etlichen Wissenschaftlern und offiziellen Stellen kritisiert wird, weil er Daten entsprechend seiner Thesen selektiert und dabei wesentliche Informationen unterschlägt, wissenschaftliche Aussagen plagiiert und uminterpretiert, und bisher keine eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten zu den von ihn vertretenen Ansichten publiziert hat. Aber das ist tatsächlich nur das Vorgeplänkel:

"Wohin die Voreingenommenheit führen kann, offenbart der „Tagesschau-Faktenfinder“. Obwohl der „Tagesschau“-Text die Seriosität der Daten aus der Lomborg-Grafik bestätigt, nennt er Gründe, warum die Darstellung „irreführend“ sei. Zu Unrecht."

Es geht also los mit der ersten Aussage:
"Die „Tagesschau“ zitiert eine Wissenschaftlerin vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) mit der korrekten Bemerkung, dass die Daten über Wetteropfer weniger verlässlich würden, je weiter sie in der Vergangenheit lägen.
Das Argument soll die Glaubwürdigkeit in die Abnahme der Wetteropfer infrage stellen, stärkt sie jedoch: Kenntnislücken über Opfer in der Vergangenheit bedeuten, dass es früher eher noch mehr Tote bei Wetterkatastrophen gegeben hat und der Abwärtstrend der Opferzahlen entsprechend noch deutlicher wäre."


Die Schlussfolgerung der Welt ist an der Stelle schlicht falsch. Kenntnislücken bedeuten nicht, dass lediglich Daten zu früheren Ereignissen fehlen und diese daher höher sein müssen, sondern vielmehr, dass Daten zu früheren Ereignissen unvollständig und/oder ungenau sind. So ist es beispielsweise leicht nachvollziehbar, dass etwa aufgrund eines fehlenden Zensus Opferzahlen mitunter nicht nur zu niedrig, sondern auch zu hoch ausfallen könnten. Kenntnislücken in der Vergangenheit bedeuten also in erster Linie eine Verringerung der Vergleichbarkeit zu moderneren Daten.

Die zweite Aussage:
"Die Lomborg-Grafik sei ein Beispiel für Rosinenpickerei, schreibt die „Tagesschau“: „In der Grafik wurden nur die direkten Todesfälle von Klimaeinflüssen genommen, zum Beispiel durch Stürme. Aber die ganzen indirekten Todesfälle, wie durch den Klimawandel ausgelöste Hungersnöte, fehlen komplett“, zitiert der „Faktencheck“ einen Wissenschaftler des „New Climate Institutes“, ein Dienstleister für Klimawandel-Expertise.
Was der „Faktencheck“ verschweigt: Auch Hungersnöte sind dramatisch weniger geworden."


Es gibt einen Unterschied zwischen "durch Klimawandel ausgelöste Hungersnöte" und "Hungersnöte". So sagt etwa die von der Welt verlinkte Quelle explizit:
"Paradoxically, over the course of the 20th century famine was virtually eradicated from most of the world, whilst over the same period there occurred some of the worst famines in recorded history. This is because many of the major famines of the 20th century were the outcome of wars or totalitarian regimes. As such, the waning of the very high levels of warfare over the last decades (as seen in the reduced number of battle deaths in recent times) and the spread of democratic institutions has also played a large part in the substantial reduction in famine mortality witnessed in recent decades."

Die verlinkte Statistik ist insofern also untauglich für eine inhaltlich qualifizierte Aussage, weil die Ursachen für die Hungersnöte nicht aufgeführt werden.

Die dritte Aussage:
"Doch viele Tote von Hitzewellen blieben in der Katastrophengrafik ebenfalls unberücksichtigt, schreibt der „Tagesschau-Faktenfinder“ zurecht. Anders als etwa bei Flutkatastrophen würden Menschen bei Hitzewellen „eher schleichend über mehrere Tage sterben“. Dieses Argument geht allerdings ebenfalls nach hinten los: Denn in Lomborgs Grafik bleiben auch Kältetote unberücksichtigt. An Kälte sterben weitaus mehr Menschen als an Hitze. Die Zahl der Kälteopfer hat im Zuge der Erwärmung abgenommen, der Effekt könnte den Anstieg an Hitzeopfern übertreffen, zeigen Studien. Das Auslassen von Toten durch Temperaturextreme würde demnach ebenfalls dafür sorgen, dass der Abwärtstrend an Todesopfern zu schwach dargestellt ist."

Hier zeigt die Welt ein sehr schlechtes Leseverständnis. Denn keineswegs wird im Tagesschau-Artikel angeführt, dass Hitzewellen unberücksichtigt bleiben, sondern vielmehr "viele Tote von Hitzewellen". Tatsächlich tauchen sowohl Hitze- wie auch Kältewellen in der Statistik auf, nach Aussagen der Forscher aber augenscheinlich mit deutlich zu geringen Zahlen. Diesen Umstand widerlegt die Welt nicht, vielmehr geht sie darauf an, dass beide Entwicklungen gegeneinander aufgerechnet werden müssen. Das kann man global durchaus als relevantes Argument bezeichnen, allerdings endet die Welt nicht an dieser Stelle, sondern versucht mit einer Studie zu Todesfällen durch Erkrankungen der Herzkranzgefäße nahezulegen, dass die Entwicklung wohl positiv sei. Ich muss wohl nicht extra darauf hinweisen, wie unsinnig eine solche spezielle Betrachtung ist.

Die vierte Aussage:
"Der „Faktenfinder“ kritisiert, dass die Grafik nicht die Anzahl der Todesfälle der einzelnen Jahre zeige, sondern Mittelwerte über jeweils zehn Jahre. Die Darstellung verberge, „dass die hohen Werte am Anfang auf ganz wenige Ereignisse mit extrem hohen Todeszahlen zurückgehen“, zitiert der Text die PIK-Forscherin.
Was Lomborg entkräften soll, stützt ihn
Das Ausbleiben solch extremer Katastrophen gilt als einer der größten Fortschritte der Technologie und als Trumpf in Zeiten des Klimawandels. Lomborg betont selbst, dass er wegen der hohen Schwankungen von Jahr zu Jahr 10-Jahres-Durchschnittswerte verwendet – so halten es auch andere Wissenschaftler, etwa die Statistiker von „Our World in Data“."


Es genügt ein schneller Blick um zu erkennen, dass letztere Aussage falsch ist. Bei "Our World in Data" kann der Betrachter selbst zwischen einer jährlichen und einer über eine Dekade gemittelten Darstellung umschalten:
https://ourworldindata.org/explorers/nat...facet=none&Disaster+Type=All+disasters&Impact=Deaths&Timespan=Annual&Per+capita=false&country=~OWID_WRL
https://ourworldindata.org/explorers/nat...facet=none&Disaster+Type=All+disasters&Impact=Deaths&Timespan=Decadal+average&Per+capita=false&country=~OWID_WRL

Hinzu kommt, dass auf das eigentliche Argument gar nicht eingegangen, sondern einfach die Behauptung in den Raum gestellt wird, dass das durchaus nicht unüblich sei. Das Problem dabei ist, dass das gar keine Rolle spielt. Statistiken und grafische Darstellungen müssen immer im Kontext der Aussage betrachtet und bewertet werden, und wenn es eine Gesamtentwicklung mit wenigen eklatanten Ausreißern gibt, dann muss das bei einer grafischen Darstellung berücksichtigt werden, sofern man den Eindruck von der Gesamtentwicklung nicht verfälschen will. Es geht also ganz explizit um den von der Welt gar nicht angesprochenen Umstand, der nicht nur für sich selbst relevant ist, gerade weil dieser Umgang mit Statistiken ein immer wieder kehrender Kritikpunkt bei den Darstellungen Lomborgs ist.

Die fünfte Aussage:
Dann bietet der „Faktenfinder“ einen „Fachjournalisten“ auf: Wetterextreme würden im Zuge der Erderhitzung „nachweislich zunehmen und heftiger werden, was sehr sicher auch mit steigenden Opferzahlen einhergehen werde“. Das sei in der Forschung „praktisch unumstritten“.
Allerdings behaupten weder Lomborg noch seine Grafik etwas anderes, wiewohl der UN-Klimareport unterstreicht, dass auch künftige Opferzahlen wesentlich von Anpassungsmaßnahmen an Wetterrisiken abhingen.


Hier wird suggeriert, dass der "Faktenfinder" behauptet, Lomborg würde dagegen argumentieren. Tatsächlich ist das nicht der Fall, wie ich zuvor oben bereits erwähnt habe. Das Gegenteil ist explizit der Fall:
"Während die Grafik im Netz und in diversen Telegram-Kanälen genutzt wird, um den Klimawandel oder zumindest die Folgen zu verharmlosen, geht es Lomborg in seiner Studie vor allem darum, die finanziellen Ausmaße des Klimawandels zu relativieren. So stünden die Ausgaben für die CO2-Reduzierung seiner Meinung nach nicht im Verhältnis zu den Schäden, die durch den Klimawandel verursacht würden.

Die sechste Aussage:
Die „Tagesschau“ hingegen stellt unter Bezug auf den UN-Klimarat neun Millionen Klimawandel-Tote pro Jahr am Ende des Jahrhunderts in Aussicht, ohne zu erwähnen, dass das entsprechende Extremszenario als unrealistisch verworfen wurde.

Der "Faktenfinder" spricht hier zwar von "bis zu neun Millionen Toten" mit Verweis auf die möglichen Entwicklungen, wie Eingangs dargestellt hätte die Zahl aber deutlicher erklärt werden können, insbesondere, dass es sich um eine Projektion des aktuellen Ausmaßes der Klimaschädigung hochgerechnet auf die zukünftige Bevölkerungszahl- und Wohlstandsentwicklung handelt.

Die siebte Aussage:
"Die ARD-Faktenprüfer betreiben, was sie Lomborg vorwerfen – Irreführung: „So ist die Zahl der klimabedingten Katastrophen in den letzten Hundert Jahren deutlich gestiegen, ebenso die Zahl der betroffenen Menschen solcher Ereignisse. Und auch der finanzielle Schaden durch solche Ereignisse ist insgesamt deutlich angestiegen“, schreibt der „Faktenfinder“."

Es sind drei Aussagen in diesem Abschnitt, nur auf die letzte wird eingegangen. Hier wird mit einer einzigen Quelle, die wieder nur einen Ausschnitt aus der vorhandenen Entwicklung zeigt, argumentiert. Die anderen beiden Aussagen bleiben völlig unberührt (obwohl sich die Zahlen aus der von Lomborg verwendeten Quelle durchaus ergeben).

Rein inhaltlich sind die meisten Kritikpunkte nicht haltbar, und das ist ein sehr wichtiger Aspekt insbesondere für diesen Strang hier. Denn wenn es um eine Medienkritik geht, dann müssen die Aussagen der Wissenschaftler nachweislich falsch sein, da man nur in einem solchen Fall den Journalisten der Tagesschau vorwerfen könnte, nicht gut genug recherchiert zu haben. Der Artikel der Welt müsste also in erster Linie eine Wissenschaftskritik sein, damit er überhaupt eine Medienkritik sein könnte. Letztlich ist er weder das eine noch das andere, weil dafür schlicht die Substanz fehlt.

(Gestern, 15:20)Rudi schrieb: Was sagst Du dazu, daß der "Faktenchecker" des ÖRR, der ja mit diesem Anspruch ganz besonders seriös sein sollte, die Fakten einfach leugnet, verdreht und Lügen verbreitet ? Das ist ja ganz klar kein Versehen.

Ich bin zwar nicht gemeint, aber meine Gegenfrage wäre, ob wir ohne irgendeine Prüfung überhaupt davon sprechen sollten, dass hier irgendjemand "Fakten leugnet, verdreht und Lügen verbreitet", und das mit voller Absicht, nur weil irgendjemand anderes das so behauptet (ohne es tatsächlich zu behaupten, denn inhaltlich gibt der Weltartikel das ja gar nicht her)?

Meine inhaltliche Aufarbeitung diente nicht als Diskussionsstart der einzelnen Punkte (der hier auch bitte nicht erfolgt), sondern vielmehr als Darstellung der tatsächlich auf beiden Seiten gemachten Fehler. Im übrigen bitte ich darum, von den Anekdoten weg zu kommen und das Thema Medienkritik jeweils in einem größeren Kontext zu sehen (wie beispielsweise bei der Frage nach der Parteienrepräsentation im ÖRR).
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Die Frage ist ja auch, was für eine Qualität solche Artikel in den Medien überhaupt haben können und sollen. Soll jeder Artikel des ÖRR den höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen? Journalisten liefern auch nur Arbeit ab, nicht mehr, nicht weniger.

Ich will daher mal auf einen ganz anderen Bereich schwenken um dies zu illustrieren: die Berichterstattung über militärische Fragen und Waffensysteme. Unverfänglich, kein Thema welches irgendwelche linken oder rechten Konnotationen hätte.

Was hat man nicht alles schon im ÖRR falsches über Waffensysteme und über militärische Fragen gelesen. Und das obwohl diese Daten keineswegs irgendwelches arkanes Zeug wären, dass notwendige Wissen könnten sich die Journalisten mit Leichtigkeit beschaffen. Aber sie schreiben halt eben oft nicht mit der Qualität die ich mir bezüglich militärischer Fragen wünschen würde.

Und EXAKT SO ist es meiner Überzeugung nach auch in allen anderen Bereichen. In allen Fragen und hier bereits angerissenen Problemstellungen. Das sind Menschen die für eine Arbeit Geld kriegen, und dafür etwas zusammen schreiben, und teilweise aus Inkompetenz, teilweise aus Ignoranz, teilweise aus Geltungssucht, teilweise auch aufgrund irgendwelcher anderer BANALER und HARMLOSER Gründe nun fehlerhafte Artikel schreiben, zu schnell ungeprüfte Dinge in die Welt setzen und allzu oft auch einfach der Menge hinterher laufen, ihre Informationen von anderen kopieren und dieser Kopierfehler allein schon ist hier sehr relevant.

Irgendjemand setzt irgendeine Information ab, aus welchen Gründen auch immer, nehmen wir mal als einfachstes Beispiel (real geschehen) er schreibt da nächtens Daten aus einem Wikipedia Artikel aus Versehen falsch ab. Und einer nach dem anderen übernimmt diese Informationen und sind sie erstmal genug kopiert worden, nehmen alle an, sie würden stimmen, einfach nur weil sie ja überall schon so sind.

Dazu kommt noch, dass Polemik und arabeske Illustration sich besser verkaufen und ein einfacherer Artikel mit schön scharfen Formulierungen besser ankommt und eher veröffentlicht wird statt einer möglichst schwierig zu lesenden überexakten wissenschaftlichen Darlegung und schon bedarf es keiner Verschwörung im ÖRR mehr.

Wie Bayrhammer es immer so treffend ausdrückte: Alles ist in Wahrheit höchst einfach und erklärlich. Vor allem aber einfach.
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Die Wissensvermittlung war schon immer eine schwierige und bisweilen undankbare Aufgabe, du hast Experten, die können nichts erklären, du hast Laien oder gänzlich unbeleckte, die sich in der Tiefe nicht auskennen, und musst dazwischen eine Brücke bauen. Und dann kommt auch noch die Gesamtentwicklung hinzu, die dafür sorgt, dass du heute über dieses und morgen über jenes und übermorgen über etwas ganz anderes schreiben musst. Dem kannst du entgehen, wenn du dich zum Fachjournalisten hin entwickelst, dann schreibst du aber eben auch nicht mehr für die Welt, die SZ oder die TAZ, sondern eben für irgendwelche Spezialmagazine, und musst auch da in der Nische ein breites Feld abdecken.

Deshalb finde ich es auch witzlos, sich über irgendwelche offensichtlichen Flüchtigkeitsfehler lustig zu machen, oder über reichlich oberflächliche Betrachtungen, oder falsche Zuordnungen. In meinen Augen gehört es auch nicht zur Medienkritik, wenn irgendwo mal irgendjemand irgendetwas falsches schreibt. Das passiert ständig, jedem, überall - es fällt halt nur nicht so auf.

Problematisch wird es dann, wenn ein System dahinter steckt, egal ob das nun ein willkürliches oder unwillkürliches ist (umso schlimmer natürlich, wenn es ein willkürliches ist, wobei ich eher davon ausgehe, dass es das meistens eben nicht ist).
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