Fernsehen und Kino Iron Sky
#1
Ich habe mir diesen Film, den ich geschätzt vor zehn oder neun Jahren irgendwann mal gekauft habe, er ist 2012 erschienen, gerade nochmals angeschaut. Er wurde seinerzeit von den Linken verdammt als Glorifizierung der Nazis. Ich hatte diesen Eindruck indessen nie.

Nun denn, ich habe aktuell die DVD aus dem Schrank herausgesucht - und sie angeschaut. Und mir fielen Details, die ich seinerzeit, 2012 oder 2013, als überzogen deutete und als unrealistisch ansah, sehr massiv auf. Angesichts von Donald I. und seiner Regent...äh...Präsidentschaft, erscheint einem der Film beinahe als finsteres Zeichen am Horizont bzw. als Belsazars brennende Schrift an der Wand...

Auszug:
https://www.youtube.com/watch?v=C-VglGOKR3E

Hinweis: Die Musik, als die bezaubernd aussehende Julia Dietze nach oben schaut und die rechte Hand zum Hitlergruß hebt mit dem Slogan The truth makes us once! (ab ca. 01:45 Min.) - und die der "Werbekampagne" danach -, ist übrigens Wagners Tannhäuser entlehnt.

Meiner Meinung nach eine der besten, und zugleich bittersten, Satiren der letzten 25 Jahre. Und eine der (leider) wegweisendsten - aus damaliger Perspektive (und auch aus heutiger).

Schneemann
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#2
@Schneemann,

soweit ich mich erinnern kann wusste ich damals nicht was ich von dem Film halten soll. Ohne den historischen Bezug wäre der Film vermutlich nur irgendein C-Movie gewesen. So hatten die Macher den Provokationseffekt und konnten darüber indirekt Werbung machen. Eine Glorifizierung konnte ich damals jedenfalls nicht feststellen.
Und die Story war meines Erachtens auch zu weit hergeholt.

Wie man über diesen Film nun allerdings zu Trump kommt ist mir schon etwas schleierhaft. Vielleicht wegen seiner Wahlkampfauftritte? Sein politisches Programm dürfte jedenfalls meilenweit von dem der Nazis entfernt sein. Und auch wenn man Trump jetzt nur grob Richtung Faschismus einordnen würde so hat er doch während seiner Regierungszeit in keinster Weise versucht eine Art Faschismus in den USA aufzubauen und dies obwohl er dafür vermutlich sogar hunderttausende bis Millionen seiner Anhänger dazu hätte mobilisieren können. Es hätten sich sicher viele gefunden die dafür empfänglich gewesen wären.
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#3
@lime

Naja, der Film ist genau genommen ein (etwas besseres) B-Movie, aber man muss bedenken, dass das Budget recht gering war - und dafür sind die Tricks sogar wiederum gar nicht mal schlecht geworden. Man hatte anfangs auch nicht damit gerechnet, dass der Film eine allzu große Resonanz finden wird. Allerdings hat man sich seinerzeit etwas künstlich über ihn aufgeregt und ihn kritisiert, was dann zu einer gewissen Bekanntheit beitrug.

Ich meinte das eher politisch, den aktuell - genau genommen eigentlich schon im Vorfeld von Trump (dieses Thema wäre dann aber im USA-Strang besser aufgehoben) - ist es ja durchaus schon so, dass es einige Kreise in der US-Politik gibt, die zwar nicht als "Faschisten" bezeichnet werden können, die aber geradezu schamlos mit rechter bis rassistischer-populistischer oder gar rechtsextremer Rhetorik hausieren gehen, um sich so Stimmen zu sichern. Die also recht skrupellos das Spiel mit dem Feuer wagen, und das wird im Film ziemlich provokant aufgegriffen. Und es zeigt auch auf, dass - mit gewissem medialen, propagandistischen und finanziellen Support - auch rechte Politiker Erfolg haben könnten. D. h. du kannst es natürlich nicht eins zu eins übertragen, ein Film bleibt ein Film, aber im Kern trägt er eine bedenkliche Botschaft in sich hinsichtlich der Anfälligkeit eines Teils der Politiklandschaft gegenüber extremen Positionen und egoistischem Populismus. Und das wurde gut eingefangen - wenn auch natürlich satirisch-witzig überzeichnet.

Schneemann
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#4
Dem Film jetzt eine prophetische Ader zu unterstellen halte ich für deutlich übertrieben. Das satirische Ziel ist ja durchweg Sarah Palin als Person, ihre fehlende Professionalität und die Unterstellung, ihre Reden könnten auch aus der Hand der Nationalsozialistischen Propaganda stammen, waren ja durchaus präsente Kritikpunkte genau in dem Zeitraum, in dem Iron Sky entstand. Darin einen Seitenhieb oder gar eine größere Kritik an den Republikanern zu sehen erschließt sich mir eher nicht, dafür fehlt der Partei allein schon die Präsenz.
Wenn man da einen größeren Sinn hinter sehen möchte, dann nicht als politische Kritik, als vielmehr eine Kritik an der Politik selbst. Die Weltgemeinschaft ist schwach und ignoriert ihre eigenen Regeln, die Politiker haben vor allem ihre persönlichen Interessen im Fokus, und geht es um eine Konzentration der Kräfte, dann auch nur aus egoistischen Motiven. Dies gepaart mit einer Kritik an der Gesellschaft, die als taube, blinde Masse den Götzen der Werbung folgt, völlig egal, welche Inhalte transportiert werden.

Diese Betrachtung passt ja auch zu dem Milieu, aus dem der Film entstanden ist, und zu den Partnerschaften, die zur Umsetzung eingegangen sind. An erster Stelle natürlich mit Laibach, die ja nicht nur die (meines Erachtens ja sowieso grandiose) Musik zu großen Teilen beigesteuert haben, sondern auch visuell durch ihren Stil präsent sind.

Alles was darüber hinaus geht, ist meines Erachtens eher den Interpretationsfähigkeiten des Betrachters als den Inhalten des Films geschuldet (@Schneemann: nicht böse gemeint Wink ). Eine große Satire, nein, eher ein Werk, dass gleichzeitig Schund und Kunst ist, was nur deshalb funktioniert, weil es das jeweils andere akzeptiert.
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