Diskussion über Verschärfung des Waffenrechts
#16
(15.01.2023, 14:50)Broensen schrieb: Es ist ja auch vorgesehen, den Verkauf von Schreckschusswaffen weiter einzuschränken. Was spricht aus Eurer Sicht dagegen, außer dem wirtschaftlichen Interesse von Herstellern und Händlern sowie der Tatsache, dass es eine "Übergriffigkeit des Staates" ist?
Gibt es ernsthaft sinnvolle Verwendungszwecke für Schreckschusswaffen, die nicht in Verbindung mit einer leicht überprüfbaren Rechtfertigung stehen?

Für mich ist das eine Überreglementierung. Das ist so, als ob ich mit dem Fahrrad zum TÜV und es zulassen muss. Nebenbei brauche ich natürlich auch einen Fahrradführerschein und für diesen natürlich noch ein Gutachten, das besagt, dass ich geistig geeignet bin....
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#17
Die Überreglementierung als Argument hatte ich selbst genannt, in Form von Quintus' Begriff "Übergriffigkeit des Staates". Nur ist es ja sogar die Pflicht des Staates, dort einzugreifen und angemessen zu reglementieren, wo von der Freiheit einzelner eine Gefährdung für andere ausgeht. Dabei ist dann abzuwägen, ob der Eingriff in die persönliche Freiheit schwerwiegender ist als die dadurch verhinderte Gefährdung der Allgemeinheit. Und für diese Abwägung ist es von erheblicher Bedeutung, wozu eine Waffe bestimmungsgemäß Verwendung findet und wozu sie zweckentfremdet eingesetzt werden kann, weil erst daraus eine Gewichtung der Freiheitseinschränkung abgeleitet werden kann.

Mir geht es daher darum, Argumente zu finden, warum der Zugang zu Schreckschusswaffen überhaupt erforderlich sein kann? Was ist der Sinn dahinter, wenn es nicht um so Dinge wie Signalpatronen, Startschüsse etc. geht? Denn all das kann man ja problemlos und regeln, ohne den Bürger übermäßig einzuschränken. Aber darüber hinaus kenne ich nur sehr problematische und auch gefährliche Verwendungen für solche Waffen.

Ich persönlich kenne Schreckschusswaffen ansonsten nämlich nur aus einer Verwendung: Jugendliches Profilierungsgehabe. Und ja: Aus eigener Erfahrung. In meiner Teenager-Zeit gab es in meinem Umfeld eine ganze Menge Schreckschusspistolen in den falschen Händen, eben weil sie viel einfacher zu bekommen waren als scharfe Waffen. Und die wurden dann auch bei Auseinandersetzungen verwendet, wenn auch zumeist nur als Drohpotential.

Ansonsten habe ich halt noch keine sinnvolle Verwendung für diese Waffen gefunden. Als Sammlerstücke ergibt die Funktionstüchtigkeit keinen Sinn, da sind unbrauchbar gemachte Originale die bessere Alternative. Für den Schießsport sind sie untauglich und als Selbstverteidigungsmittel (auch mit Gaspatronen) schlicht ungeeignet und sogar kontraproduktiv hinsichtlich der Eigengefährdung.
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#18
(15.01.2023, 13:25)26er schrieb: Mag sein - Ich frage mich dabei eher, wo die ca. 3 Mio. Sportschützen sind? Alleine die Sportschützen sollten schon eine Stimme haben. Vielleicht ist auch das Problem, dass hier nicht mit geschlossener Stimme gesprochen?

Soweit ich das beobachte, versucht das Forum Waffenrecht schon, ihnen eine Stimme zugeben. Ich finde nur die Kosten für die Mitgliedschaft etwas zu hoch, um Mitglieder in Massen anzulocken.

https://www.fwr.de/home/

"Bei einem Spitzengespräch in Kassel haben Vertreter von rund 2,2 Millionen legalen Waffenbesitzern gestern einstimmig gegen Verschärfungen des Waffenrechts positioniert. Vertreten waren Deutscher Schützenbund (DSB), Forum Waffenrecht (FWR), Deutscher Jagdverband (DJV) und weitere Verbände.

Die Verbändeallianz versichert, dass sie im gemeinsamen Interesse der 2,2 Millionen Mitglieder bereits aktiv an den aktuellen Entwicklungen im Bereich des Waffenrechts arbeitet. Sobald ein offizieller Gesetzesentwurf zur Kommentierung vorliegt, werden abgestimmte Vorschläge in das Gesetzgebungsverfahren eingebracht."

Daneben aber Druck auf der Straße aufzubauen, wäre sicherlich hilfreich.
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#19
(15.01.2023, 18:17)Broensen schrieb: Mir geht es daher darum, Argumente zu finden, warum der Zugang zu Schreckschusswaffen überhaupt erforderlich sein kann? Was ist der Sinn dahinter, wenn es nicht um so Dinge wie Signalpatronen, Startschüsse etc. geht? Denn all das kann man ja problemlos und regeln, ohne den Bürger übermäßig einzuschränken. Aber darüber hinaus kenne ich nur sehr problematische und auch gefährliche Verwendungen für solche Waffen.
Persönliches Beispiel, gar nicht so lange her: Ich bin im Park in der Dämmerung, um die Ecke ist ein hotspot für Grasraucher und Abhängen. Plötzlich 5-6 schnelle Schüsse, laute Stimmen, dann Gerenne mit Hoodie, wir gehen in Deckung. Die von mir gerufene Polizei rückt - zu spät - sichtbar nervös mit 4 Mann, natürlich mit Westen und gezogenen Waffen an. Es hat sich nicht geklärt ob eine scharfe Waffe oder eine Schreckschusswaffe abgefeuert wurde. So sieht das Eskalationspotential aus.

Kurz vor Sylvester wird gern die Gelegenheit genutzt mal die Trommel in der Öffentlichkeit leerzuschiessen. Mit dem fröhlichen Feiern des Jahreswechsels hat das genau Null zu tun.
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#20
(15.01.2023, 18:20)Rudi schrieb: Daneben aber Druck auf der Straße aufzubauen, wäre sicherlich hilfreich.

"Druck auf der Straße" wird bei so einem Thema nur die Fronten verhärten und im Endeffekt die Position der Gegner einer Waffenrechtsverschärfung schwächen. Die mediale Wahrnehmung wäre mit Sicherheit nicht ein berechtigtes Anliegen vernunftgeleiteter Bürger, sondern ein Haufen Spinner, die sich ihr Recht auf privaten Einsatz von Kriegswaffen sichern wollen.

Der Weg über Lobbyarbeit durch Verbände mit vernünftigen Argumenten und eigenen Vorschlägen ist da sicherlich der zielführendere.

(15.01.2023, 18:38)Ottone schrieb: Persönliches Beispiel, gar nicht so lange her: Ich bin im Park in der Dämmerung, um die Ecke ist ein hotspot für Grasraucher und Abhängen. Plötzlich 5-6 schnelle Schüsse, laute Stimmen, dann Gerenne mit Hoodie, wir gehen in Deckung. Die von mir gerufene Polizei rückt - zu spät - sichtbar nervös mit 4 Mann, natürlich mit Westen und gezogenen Waffen an. Es hat sich nicht geklärt ob eine scharfe Waffe oder eine Schreckschusswaffe abgefeuert wurde. So sieht das Eskalationspotential aus.

Genau das. Weder ein Angreifer, noch ein Polizist, erkennt immer auf Anhieb, dass ihm nur eine Schreckschusswaffe entgegengehalten wird. So wird eine vermeintliche Selbstverteidigung dann schnell zum Anlass für scharfen, ggf. tödlichen Schuss.
Wer in einer Auseinandersetzung eine Waffe zieht, muss auch bereit sein, diese einzusetzen, was bei einer Schreckschusswaffe von vornherein ausgeschlossen ist.
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#21
@Broensen
Ich kann dir die Frage nicht beantworten, weil ich für mich im Besitz von Schreckschußpistolen keinen Sinn sehe. Ich fand das als Jugendlicher auch mal cool....

Aber der Unterschied ist, wer es haben möchte, der soll es doch kaufen dürfen. Ich habe damit kein Problem. Für die Selbstverteidigung würde ich eher eine Axt oder ein Beil nehmen, das schafft mehr Eindruck. Wenn einer eine Faustfeuerwaffe zieht, ist das mit höchster Wahrscheinlichkeit keine echte.
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#22
(15.01.2023, 19:40)26er schrieb: Aber der Unterschied ist, wer es haben möchte, der soll es doch kaufen dürfen.

Und genau das kann aber ab einem gewissen Punkt nicht mehr das einzige Argument für den freien Verkauf sein. Sonst müsste das für scharfe Handfeuerwaffen genauso gelten. Und für Sprengstoff. Und harte Drogen. Usw.

Wenn ein Handelsgut eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt, ist es angebracht, dessen Abgabe auf die Kreise zu beschränken, die im Umgang mit diesem Gut vertraut sind und einen legitimen Grund dafür vorweisen können. Das kann von "Ich bin volljährig und will an Silvester böllern", über "Ich bin entsprechend geschulter Sportschütze" bis hin zu "Ich übe das staatliche Gewaltmonopol aus" reichen. Aber das "Nicht-Verbieten" seiner selbst wegen, genügt nicht als Argument, wenn eben bspw. durch den freien Verkauf an jeden Volljährigen, es dazu kommt, dass sich gewaltbereite Gruppen ohne größere Hürden mit Waffen ausstatten können, die trotz ihres "Schreckschuss"-Charakters ja immer noch die Außenwirkung einer tödlichen Schusswaffe besitzen und damit eine verheerende Situationsdynamik verursachen können, die im ungünstigsten Fall unnötig Menschenleben kostet. Da sollte es dann schon mehr Argumente für den freien Verkauf geben, als nur das Streben nach der größtmöglichen persönlichen Freiheit.


Ich stelle diese Frage deswegen, weil ich in der Thematik des Waffenrechts grundsätzlich eine Schwierigkeit bei der Kompromissfindung sehe. Während die eine Seite aus einer grundsätzlichen Ablehnung, Unwissenheit und übertriebenem Sicherheitsdenken heraus kein Verständnis für die Gegenseite aufbringt, ist diese oft nicht in der Lage, ihre eigene Position nachvollziehbar argumentativ zu unterlegen. Das führt dann im Endeffekt nicht zur bestmöglichen Regelung.
Bspw. haben wir hier schon über die sportlichen Verwendungen von Halbautomaten diskutiert. Da kann man also argumentieren, das es ein berechtigtes Interesse daran gibt, diese Waffen als Privatperson besitzen zu dürfen. Ob dieses Argument sich nun gegen die Argumente für ein Verbot von Halbautomaten behaupten kann, ist dabei erstmal zweitrangig. Aber wenn es für den freien Verkauf von Schreckschusswaffen keine solchen sinnvollen Argumente gibt, dann sollte auch für Waffennutzer in diesem Bereich eine Verschärfung der Gesetzeslage erstrebenswert sein. Denn je weniger Menschen aus den falschen Gründen Waffen besitzen und womöglich einsetzen, desto weniger leiden auch verantwortungsvolle Waffennutzer unter diesen schwarzen Schafen.
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#23
(15.01.2023, 21:48)Broensen schrieb: Aber das "Nicht-Verbieten" seiner selbst wegen, genügt nicht als Argument, wenn eben bspw. durch den freien Verkauf an jeden Volljährigen, es dazu kommt, dass sich gewaltbereite Gruppen ohne größere Hürden mit Waffen ausstatten können, die trotz ihres "Schreckschuss"-Charakters ja immer noch die Außenwirkung einer tödlichen Schusswaffe besitzen und damit eine verheerende Situationsdynamik verursachen können, die im ungünstigsten Fall unnötig Menschenleben kostet. Da sollte es dann schon mehr Argumente für den freien Verkauf geben, als nur das Streben nach der größtmöglichen persönlichen Freiheit.

Das Argument kann ich nicht nachvollziehen. Glaubst Du wirklich dass gewaltbereite Gruppen so eine gesetzliche Regelung interessiert? Die werden sich so oder so mit Waffen eindecken, im Gegensatz zum Normalbürger der sich dann brav an die Gesetze hält. So verändert sich das Verhältnis in Sachen Waffenbesitz zwischen kriminellen- und gesetzestreuen Bürgern immer mehr zum Schlechteren.

Nehmen wir als Beispiel mal Andorra. Niedrigste Mordrate in ganz Europa, vermutlich sogar weltweit. Traditionell ist dort jeder Mann ab 16 Jahre mit mindestens einem Gewehr bewaffnet. Es herrscht soweit mir bekannt für diese Gruppe sogar eine Selbstbewaffnungspflicht. Es liegt einfach nicht an den Waffen sondern nur an den Menschen die sie benutzen und genau da muss man ansetzen.
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#24
(15.01.2023, 22:11)lime schrieb: Glaubst Du wirklich dass gewaltbereite Gruppen so eine gesetzliche Regelung interessiert? Die werden sich so oder so mit Waffen eindecken, im Gegensatz zum Normalbürger der sich dann brav an die Gesetze hält.

Da ich hier nur über die Auswirkungen einer Einschränkung des freien Verkaufs von Schreckschusswaffen spreche, sehe ich da definitiv eine Relevanz.
Ich hab ja die anekdotische Evidenz bereits angeführt: In meinem Jugendumfeld gab es unzählige Schreckschusswaffen, eben weil man diese auch legal erwerben konnte. Keiner dieser Leute hätte sich illegal eine scharfe Waffe besorgt, das waren ja alles nur Möchtegern-Gangsta, keine Schwerkriminellen.

Natürlich hält ein Verbot Kriminelle nicht ab, aber welcher Kriminelle würde sich auf dem Schwarzmarkt eine Schreckschusspistole beschaffen?


Ich stelle aber fest, dass anscheinend niemand hier Argumente FÜR Schreckschusswaffen liefern kann, sondern nur allgemein GEGEN ein Verbot. Und genau damit hatte ich auch gerechnet.
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#25
(15.01.2023, 22:31)Broensen schrieb: Da ich hier nur über die Auswirkungen einer Einschränkung des freien Verkaufs von Schreckschusswaffen spreche, sehe ich da definitiv eine Relevanz.
Ich hab ja die anekdotische Evidenz bereits angeführt: In meinem Jugendumfeld gab es unzählige Schreckschusswaffen, eben weil man diese auch legal erwerben konnte. Keiner dieser Leute hätte sich illegal eine scharfe Waffe besorgt, das waren ja alles nur Möchtegern-Gangsta, keine Schwerkriminellen.

Natürlich hält ein Verbot Kriminelle nicht ab, aber welcher Kriminelle würde sich auf dem Schwarzmarkt eine Schreckschusspistole beschaffen?


Ich stelle aber fest, dass anscheinend niemand hier Argumente FÜR Schreckschusswaffen liefern kann, sondern nur allgemein GEGEN ein Verbot. Und genau damit hatte ich auch gerechnet.

Also meine Jugendzeit ist etwa 30 Jahre her. Wenn ich mich mal zurückerinnere dann hatten damals tatsächlich relativ viele Leute eine Schreckschusswaffe. Aber das waren meines Erachtens nicht nur irgendwelche Hilfsgangster, sondern auch normale Jugendliche die sich schützen wollten. Die hatten sich damals auch viele gekauft weil sie Angst hatten "abgezogen" zu werden. Ich glaube sogar dass es bei einigen dann auch zu solchen Übergriffen kam. Diese Problematik lief dann meist nach dem Schema das mehrere Halbstarke versucht haben ein (vermeintliches) "Opfer" auszurauben (abzuziehen). Welche Chance soll da ein Einzelner im Regelfall gegen eine Bande von meinetwegen 5-6 Leuten haben? Heute wird man sicher empfehlen dass man sich ausrauben lassen soll und dann den Fall anzeigen. Damals war das noch nicht Mainstream und eine erfolgreiche Abwehr so eines Raubversuchs landete dann auch mit hoher Wahrscheinlich nicht als Anzeige auf dem Bürotisch geschweige denn würde es in irgendeiner Statistik auftauchen. Ich würde also behaupten dass eine Schreckschussewaffe durchaus eine Selbstverteidigungsoption für Ottonormalverbraucher darstellt, wenn auch eine Suboptimale.
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#26
Ich stelle die Meldung mal hier ein; muss dazu sagen, dass mich der Inhalt doch überrascht hat, da ich eigentlich angenommen hatte, dass diese Zahlen eher rückläufig sind...
Zitat:Immer mehr Menschen haben einen Jagdschein

Liegt Jagen im Trend? Auf jeden Fall widmen sich immer mehr Menschen in Deutschland diesem Zeitvertreib und haben einen Jagdschein. In der Jagdsaison 2021/22 (1. April bis 31. März) seien es 407.370 Männer und Frauen gewesen, teilte der Deutsche Jagdverband anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin mit. Das seien 6986 mehr als in der Saison zuvor. 1991/92 hätten bundesweit 318.678 Menschen einen Jagdschein gehabt. Die wachsende Zahl hat wohl auch damit zu tun, dass immer mehr Frauen den Angaben zufolge jagen gehen. "Glücklicherweise ist die Jagd nicht mehr eine reine Männerdomäne, das ist ähnlich wie bei der Feuerwehr", sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Jagdverbandes, Torsten Reinwald. In Deutschland ist nach Verbandsangaben inzwischen etwa jeder zehnte Mensch mit Jagdschein eine Frau (11 Prozent). In den Jagdkursen seien es derzeit 28 Prozent Frauen - "Tendenz seit 2011 steigend".
https://www.n-tv.de/der_tag/Am-Freitag-d...57691.html

Ich finde das in mehrerlei Hinsicht interessant: Einerseits stand und steht die Jagd an sich durchaus öfters in der Kritik bzw. sie ist medial nur mit wenigen Verbündeten ausgestattet, insofern hätte ich hier eigentlich eher ein abnehmendes Interesse vermutet. Andererseits gibt es ja nicht wirklich mehr freies, "bejagbares" Land oder einen steigenden Bedarf an Jägern, auch über Nachwuchssorgen klagen die Jägerverbände nicht. Insofern fragt man sich schon, wo die Leute alle die Notwendigkeit hernehmen für den Jagdschein...

Schneemann
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#27
Der bloße Bedarf an Jägern war auch früher schon deutlich geringer als die Zahl der Jäger insgesamt, zumal viele dieser Jäger bloße "Sonntagsjäger" sind, Begehungsscheininhaber oder dergleichen und in keinem Fall aus Bedarf, sondern nur zur Freude an der Sache jagen.

Und tatsächlich hat die Zahl der Jäger massiv zugenommen, dass kann ich aus eigener Anschauung bestätigen. Dazu kommt noch die Entwicklung, dass immer mehr Frauen jagen bzw. den Jagdschein machen, was es so früher nicht gab.

Ein Grund neben dem Wunsch der heutigen hochtechnisierten Welt zu entfliehen und zur Natur zurück zu finden (es gibt immer mehr Jäger in Großstädten bzw. welche aus Großstädten stammen und keinerlei Bezug zu Landwirtschaft bzw. Forstwirtschaft mehr haben) - spielt meiner Meinung nach auch eine Rolle, dass der Wohlstand so groß geworden ist, denn die Kosten sind vergleichsweise hoch, dass muss man sich erst mal leisten können. Und beschließend ist ein Faktor, dass es heute mehr Rentner / Pensionäre gibt die Geld haben, viel Zeit, und noch bei guter Gesundheit sind und dann nach der Verrentung den Jagdschein machen.

Und dann gibt es noch eine zunehmende Gruppe von Personen, welche über den Jagdschein einen leichteren Zugang zu Waffen wollen, aber dass ist eine Minderheit, oft Sportschützen die schon vorher mit Waffen Umgang hatten und auch diese Gruppe ist in Wahrheit völlig unproblematisch und querschnittlich deutlich gesetzestreuer als der Querschnitt der Bevölkerung.

Ich sehe das eher kritisch dahingehend, dass zu viele Jäger heute keinen Hund mehr haben, keine ausreichende Übung / Erfahrung mehr haben und dass sie Schlumpschützen sind. Etliche haben den Jagdschein, aber zu wenig Gelegenheit und auch von ihrem Berufsleben her zu wenig Zeit um die notwendigen Fähigkeiten ausreichend zu pflegen. Dazu kommt noch das Übermaß an Ansitzjagd welches heute vorherrscht.

Heute sitzen einfach durchgehend viel mehr Jäger an als früher, dass hat bereits nachweisbare Auswirkungen auf das Wild und sein Verhalten, welches dadurch immer mehr und immer weitergehend in die Nacht verdrängt wird und immer heimlicher wird. Entsprechend rüstet man jetzt Nachtsichtgeräte und sitzt dann teilweise tief in die Nacht hinein an oder sogar die ganze Nacht, in immer besser ausgebauten Kanzeln, mit immer mehr Technik (Wildkameras mit Infrarotsicht, Thermalsichtgeräte, Sensoren, Hochleistungsoptiken usw usf). Das ist insgesamt eine Fehlentwicklung welche weder für die Wildtiere noch für die Jäger sinnvoll ist. Es konterkartiert eigentlich auch das Naturerleben durch die Jagd, wenn man eigentlich eher ein Viehzüchter ist (Fütterungen, Kirrungen, Lockmittel usw usf) und dann mit Hochleistungstechnik und völlig übertechnisierter Ausrüstung in die Schlafzimmer des Wildes einbricht um dieses dann dort zu "jagen".

Als ich ein Jugendlicher war, hat man beispielsweise querschnittlich zwei Stunden früher abgebaumt als heute und da wurde man noch schräg angesehen wenn man Jungjäger ein Zielfernrohr hatte, und heute schießen sie dann mit einem Variablen 10x56 mit Leuchtpunkt auf 70 Meter und treffen nicht einmal sauber......
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#28
Meine Wahrnehmung ist, dass sich die Rolle der Frau in der Landwirtschaft inzwischen derart verändert hat, dass auch in diesem Zusammenhang deutlich mehr Frauen als früher jagen, weil mehr Frauen selbst Höfe bewirtschaften.
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#29
Die meisten weiblichen Jäger welche ich kennen gelernt habe sind keine Bäuerinnen. Auch wenn ich rein persönlich keine Frauen als Jäger sehen will - denn Frauen sollten die Jagd nicht ausüben - so muss ich vielen von ihnen doch zumindest zugute halten, dass sie einen Hund haben, während viele Sonntagsjäger aus der Stadt keinen Hund haben. Und die Sache mit den Jagdhunden ist meiner Meinung nach auch ein wesentlicher Grund für etliche Frauen Jäger zu werden, das geht dann oft mit einer großen Liebe zu Hunden einher und es gibt sogar etliche wirklich gute weibliche Hundeführer.

https://www.spiegel.de/panorama/gesellsc...aca01e09ad

Zahlen aus dem Jahr 2021 - seitdem geht das munter so weiter:

Zitat:Der Anteil derer, die vor dem Beginn des »grünen Abiturs« keine Erfahrung mit der Jagd gesammelt hätten, sei seit 2011 von 15 auf 26 Prozent gestiegen.

Ich schätze das heute schon auf ungefähr ein Drittel !

Zitat:Der Frauenanteil in den Jagdschulen stieg von 20 auf 28 Prozent, teilte der Deutsche Jagdverband (DJV) der Nachrichtenagentur dpa mit.

Die Frauen werden zudem jünger. Der Befragung zufolge sank ihr Durchschnittsalter im vergangenen Jahrzehnt von 36 auf 33 Jahre. Das Durchschnittsalter männlicher Jagdschüler liegt demnach weiterhin konstant bei 35 Jahren.
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