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Militärische Lehren aus dem Ukraine-Krieg - Druckversion +- Forum-Sicherheitspolitik (https://www.forum-sicherheitspolitik.org) +-- Forum: Hintergründe (https://www.forum-sicherheitspolitik.org/forumdisplay.php?fid=97) +--- Forum: Allgemeine fachbezogene Diskussionen (https://www.forum-sicherheitspolitik.org/forumdisplay.php?fid=98) +--- Thema: Militärische Lehren aus dem Ukraine-Krieg (/showthread.php?tid=6333) |
RE: Militärische Lehren aus dem Ukraine-Krieg - Quintus Fabius - 02.04.2025 Eine meiner Meinung nach sehr gute Waffe im Grabenkampf, wie auch gegen Drohnen (entsprechende Visierung vorausgesetzt) wäre die folgende Flinte: https://www.youtube.com/watch?v=L2DMQ85zKMo Für das Stürmen von Gräben wäre das besser als Sturmgewehre, ist auch sehr kompakt. Zugleich könnte man damit Kleindrohnen abwärts sehr gut bekämpfen. Über den Feuerkampf um und in Gräben: https://www.youtube.com/watch?v=Tge7YMi4gJs Für die Zukunft stellt sich aber die Frage, ob ein solches Stürmen von Gräben überhaupt noch sinnvoll durchgeführt werden kann, denn beide Seiten verminen ihre Gräben immer mehr. Sowohl um die Gräben herum liegen Minen, als auch in den Gräben selbst. Kombiniert mit Bandstacheldraht dürfte die um sich greifende Verminung das bisherige konventionelle Stürmen von Gräben extrem schwer machen. Das beste wäre aus der Distanz, mittels Raketenwerfern, speziellen Mörsern sowie Drohnen mit Flammsätzen in die Gräben hinein zu wirken. Flammenwerferpanzer wären auch eine Option welche man wieder diskutieren sollte. Diese erwiesen sich im 2WK gegen die Japaner in deren Stellungssystemen als extrem wirksam. Weißer Phosphor wäre auch noch eine Option. Meiner Meinung nach ist es eine wesentliche Lehre des Ukrainekrieges, dass Flammwaffen äußerst wirksam sind und dass die Seite welche Flammwaffen im Kampf exploriert dadurch erhebliche Vorteile generiert. Die miltärische Lehre daraus muss sein, dass die Bundeswehr wieder massiv in Flammwaffen einsteigt, bis hin zu den Handflammpatronen etc. RE: Militärische Lehren aus dem Ukraine-Krieg - alphall31 - 02.04.2025 Warum sollte ich den meinen eigenen Graben verminen den ich zur Verteidigung brauche , in dem ich mich ständig bewegen muss ? RE: Militärische Lehren aus dem Ukraine-Krieg - Quintus Fabius - 02.04.2025 Damit der Gegner wenn er den Graben stürmen will auf die Minen tritt. Während ich selbst weiß wo sie liegen. (Minen hierbei in einem weiteren Kontext, also auch USBV usw.) Allein die tatsächliche Möglichkeit in einem Graben auf Minen zu treffen führt dazu, dass der Gegner im Graben kaum voran kommt und extrem darin gehemmt wird, diesen überhaupt zu betreten. Wie schon geschrieben breitet sich das gerade als Taktik in der Ukraine aus und es gibt bereits Gebiete wo es verboten wird in den Gräben selbst vorzugehen. Die Russen wiederum verwenden umgekehrt keine eroberten ukrainischen Gräben, sondern graben sich getrennt von diesen gesondert ein, wenn sie einen ukrainischen Grabenabschnitt eingenommen haben. Das hat zum einen damit zu tun, dass eigene Gräben natürlich bereits vorher für die Artillerie, Mörser, Granatwerfer usw. eingemessen werden können, welche dann sehr viel präziser wirken und sehr viel leichter in den Graben treffen können, zum anderen aber auch damit, dass man in Gräben bereits Sprengladungen verbaut hat, die man fernzünden konnte oder die man per Signal aktivieren konnte. Womit sich der Kreis schließt: man könnte im weiteren auch Minen verbauen, die erst auf ein Signal hin aktiviert werden, aber die eigene Bewegung vorher nicht stören. Und die auch wieder deaktivierbar sind. Es gäbe so viel feine elegante Möglichkeiten. Im Kontext der Ukraine, und im spezifischen der Russen muss man natürlich noch dazu bedenken, dass deren militärische Vorgehensweisen sich drastisch von den unseren unterscheiden, dahingehend, dass die russische Führung kein Problem damti hat ihre eigenen Soldaten extrem zu gefährden. Das ganze ging in der Ukraine sogar so weit, dass man Truppen in Gräben absetzt und dann deren Rückzugswege vermint, als das Gelände hinter den Gräben. Das ist natürlich alles sehr weit weg von jedwedem Denken dass wir so haben. Aber abgesehen von solchen russischen "Taktiken" wäre es auch für uns sinnvoll Gräben immer im Kontext mit Minen zu denken. Das Gelände um den Graben muss vermint werden (ist in der Ukraine bereits Standard) und ebenso machen Minen und Sprengfallen im Graben Sinn, weil das die Erstürmung des Grabens immens erschwert. Und wie geschrieben: wir wissen ja dann, wo sie liegen und können den Graben trotzdem benutzen. Eine militärische Lehre des Ukrainekrieges in diesem Kontext ist es, dass man für den Grabenkampf Bodenkampfdrohnen (UGCV) verwenden muss. Solche Bodenkampfdrohnen werden in Zukunft in Gräben agieren. Meiner Einschätzung nach wird es analog zur Entwicklung in der Luft schon bald eine immense Menge an Bodenkampfdrohnen geben. Die militärische Lehre der Ukraine ist, dass die Seite welche technologisch dazu in der Lage ist bewaffnete Drohnen im großen Stil einzusetzen und diese Fähigkeit am skrupellosesten und radikalsten nutzt, immense militärische Vorteile generieren kann. Speziell das Stürmen von Gräben wird man zudem mit Bodenkampfdrohnen recht leicht vollautonom oder zumindest teilautonom hinkriegen können. Sobald der Roboter im Graben ist, muss er ja nur diesem folgen und vollautonom alles ausschalten was sich darin befindet. Und auch das ist wiederum ein Grund warum eine Verminung des Grabens in Zukunft sogar wesentlich sein wird, um damit die Bodenkampfdrohnen zu bekämpfen. Ebenso wird man in die Gräben Hindernisse einbauen müssen um Bodenkampfdrohnen dadurch zumindest zu hemmen. Aufgrund der psychologischen Wirkung und auch der vielfältigen Möglichkeiten um Ecken zu wirken, durch Schutzgitter hindurch zu wirken usw usw wäre es dann im weiteren sinnvoll, solche Grabenkampfdrohnen mit Flammenwerfern zu versehen. Alles was ich hier schreibe ist übrigens keine bloße Theorie oder Science Fiction, sondern nimmt schon seit Monaten in der Ukraine Form an: https://www.france24.com/en/video/20240422-robots-used-for-trench-warfare-landmine-deployment-in-ukraine-s-frontlines https://www.popularmechanics.com/technology/robots/a46662319/robots-in-the-trenches/ https://www.karveinternational.com/insights/technology-trench-warfare-how-to-succeed-through-innovation Und da hier die Frage war, warum viele Gräben in der Ukraine so schmal sind: ein Russe nannte dazu mal den Grund, dass man die Gräben nicht breiter als 80 cm machen darf, weil sonst ukrainische Bodendrohnen darin operieren können. Da solche Bodendrohnen aber noch selten sind (!) und nur an wenigen Frontabschnitten eingesetzt werden und ihnen auch noch eine Spezialisierung fehlt auf den Grabenkampf welche notwendig wäre, aus diesem Grund sind sie im Grabenkampf noch nicht dominierend. Das wird aber gerade während ich hier schreibe. Und wie schon geschrieben lassen die Gräben parallel nach, weil sie nur noch als Poternen und Bewegungswege von den Verstecken aus dienen und nicht mehr als Stellung von welcher aus man kämpft. Man kämpft im Graben allenfalls nur ganz kurz, vorübergehend, oder während der Feind im Graben ist aber nicht allgemein. Wer sich einfach allgemein im Graben aufhält, der stirbt, weil er von den Drohnen erledigt wird und dies auch dann wenn der Graben mit Gittern etc überdeckt ist. Und deshalb investiert man auch nicht mehr so viel in die Gräben, sondern legt diese schlampiger an, weil sie ja keine dauerhaft besetzten Stellungen mehr sind, sondern Wege welche den Verstecken als primärer Stellung dienen. In diesem Kontext noch ein Punkt: man kann geologische Verwerfungen aus der Luft aufdecken, beispielsweise durch Messungen der Bodendichte / Veränderungen der Bodendichte usw. Dann könnte man diese gezielt mit Artillerie angreifen. Die Russen wiederum machen es zur Zeit so: sie beschießen einfach alles von dem sie denken, es könnte ein Versteck sein und ebnen dabei ganze Dörfer und Wälder ein. Aber das ist nicht effizient und verbraucht nicht tragbare Mengen an Munition. Dass die Russen also gegen die Verstecke nicht gezielter arbeiten können, ist bereits ein Sieg in sich selbst. Aber das wird sich mit der Zeit zweifelsohne ändern. RE: Militärische Lehren aus dem Ukraine-Krieg - Quintus Fabius - 03.04.2025 Allgemein: Frontline Innovation and Domestic Production: The Keys to Ukraine’s Journey Toward Defense Self-Reliance https://mwi.westpoint.edu/frontline-innovation-and-domestic-production-the-keys-to-ukraines-journey-toward-defense-self-reliance/ Innovating Under Fire: Lessons from Ukraine’s Frontline Drone Workshops https://mwi.westpoint.edu/innovating-under-fire-lessons-from-ukraines-frontline-drone-workshops/ Buchempfehlung: OPFOR SMARTbook 3 - Russian Military, 3rd Ed https://www.amazon.de/OPFOR-3-3-SMARTbook-Russian-Military/dp/1935886444/ref=sr_1_1?crid=30XU22P86UVDV&dib=eyJ2IjoiMSJ9.wJxYPm8wNJNHv5-HKXKLuw.lai4-IZzKi1o0aUpauYLQl2_pQsdNB_mxn4ooZkFoGk&dib_tag=se&keywords=opfor+smartbook+3+-+russian+military%2C+3rd+ed.+opfor+3-3&qid=1743700404&sprefix=opfor+smartbook+russ%2Caps%2C79&sr=8-1 Edition 2025 - im Endeffekt alles was man so mit OSINT findet zur russischen Armee der Gegenwart und insbesondere in der Ukraine in einem Buch. Sehr ausführlich, ganzheitlich und immer wieder mit vielen Einzelheiten die entweder nicht klar waren oder gar nicht bekannt. Zitat:At 320 pages, OPFOR 3-3 chapters include the strategic environment (Russian strategic overview, Euro-Atlantic security environment, Russian threat assessment, Russia’s war on Ukraine, NATO enlargement), Russian military forces (historical overview, modern Russian military, joint strategic commands), Russian (SV) ground forces (organization, planning, command posts, control measures), reconnaissance and security, Russian “strike” actions (indirect fires, antitank fires, radio-electromagnetic battle, aerospace support, NBC), offensive actions (attack formations, subunit actions, large-scale combat, local wars & armed conflict), defensive actions (fundamentals, brigade/battalion defensives), and Russian equipment & capabilities. |