30.05.2013, 09:48
Shahab3 schrieb:Aber dass EADS das "einzige" branchenrelevante Unternehmen hierzulande sei, ist keinefalls korrekt.
Welche sind noch relevant?
Zitat:Die Politik lässt nicht zu, dass inländische Konkurrenz eine Chance gegen EADS hat. Das war mehr oder weniger die Motivation zu diesem Monstrum. Think Europe, think global und so...Das wäre ja noch schlimmer. Und würde rechter Politik die den freien Wettbewerb doch propagiert, noch mehr karikieren.
Zitat:Gleichzeitig führt Konkurrenz im freien Markt zwangsläufig und immer zu Artensterben.
Das stimmt doch nicht, wenn die Grossen nicht genügend innovativ sind, gibt's wieder Kleinere mit neuen Produkten. Z.B. im US-amerikanischen dominieren ja auch nicht die Big-Player, es tun sich immer wieder Chancen auf.
Zitat:Forschung lebt ganz Elementar von einer Vielfalt der möglichen Ansätze. Man muss den gesunden Mittelweg finden, der für Deutschland strategisch am besten ist. Die Frage ob ein EuroHawk jetzt kommt oder wann ein Militärtransporter verfügbar ist, sind kurzfristige Fragestellungen niedrigerer Ordnung.Aus industriepolitischer Sicht vielleicht, aber strategisch ist es doch völlig schwachsinnig sich einen Moloch zu züchten, der vor lauter Konkurrenzlosigkeit, nur noch völlig überteuerte Produkte produziert.
Zitat:Es läuft damit alles auf eine Frage hinaus:Beide Fragen sind nicht wirklich relevant. Oder hast du das Gefühl dass ihr in einem jahrelangen Krieg die Waffen in dieser Periode selber herstellen müsstest?! Das halte ich für völlig unwahrscheinlich, da deckst du dich lieber mit mehr zugekauften Waffen ein, damit du in einer ersten Auseinandersetzung besser gewappnet bist. Ist mal deine Infrastruktur zerbombt, kannst du nichts mehr machen und das ist heute unglaublich geschehen (überall hat man Achillesfersen / z.B. Energieversorgung).
Was hat die größere strategische Relevanz für Deutschland? Das weltweis beste Produkt zum Zeitpunkt x oder die Fähigkeit Rüstungsprodukte jeder Form im eigenen Land herzustellen?
Wenn schon sollte man schauen, dass die Betriebe im eigenen Land auf dem Weltmarkt konkurrenzfähige Produkte kreieren können und das kann man nicht indem man einer Firma alle Aufträge schenkt.
Zitat:In diesem Punkt unterschieden wir uns ganz fundamental und ich habe in meinem letzten Beitrag diese technikaffine Betrachtung als antideutsch und schädlich bezeichnet. Ich bleibe absolut dabei.Ich hab keine ausschliesslich technikaffine Betrachtung, mein Ansatz ist primär ökonomischer Natur, dort unterscheiden wir uns erheblich voneinander. Du kannst doch nicht sagen, A400M und EF sei der Fokus nicht auf der Technik gelegen, im Gegenteil, es wurde doch jede noch so unnötige Nische gesucht wo man noch einen unnötigen Schrott entwickeln konnte. Aber das was wirklich wichtig ist, kommt bei EADS erst dann wenn es ans Zahlen der Kostenüberschreitungen geht. Diese Kostensteigerungen hat man in erster Linie dieser Firma zu verdanken, die einfach nicht den Fokus auf die wichtigen Dinge legen kann. Da ist Erziehung in Form von Konkurrenz nötig.
Zitat:Nein. EADS ist für mich die Antithese einer protektionistischen Herangehensweise. Der ganze Laden ansicht ist eine Fehlgeburt gerade aus meiner protektionistischen Sichtweise heraus. Er hat einiges von dem platt gemacht, was ehemals deutsch und bedeutsam war.Spitzfindigkeit, wenn sich alle Teile jetzt dort drin befinden.
Zitat:Nicht ganz: Alles was Deutschland in Form von Kapital, Know How, Eigentum und Planung verlässt und ans Ausland geht ist generell scheisse. Insbesondere wenn es sich um strategisch relevante Industrien handelt. Die Rüstungsindustrie gehört für mich dazu.Wieso? Wenn du gute Arbeitsplätze immer noch vor Ort hast, ist das genau so viel Wert. Der Deutsche oder Schweizer Arbeitgeber kann die Produktion genauso gut ins Ausland verlagern. Du kannst dir übrigens auch von einer ausländischen Firma die Konstruktionsunterlagen und Sourcecode sichern, wenn du willst auch exklusiv. Für einen Unternehmer ist die Nationalität nur am Rand ein Thema, der Unternehmer beliefert den Deutschen genauso gern wie den Türken oder den Schweizer. Wer müsste das nicht besser wissen als die Deutschen = Exportweltmeister. Wenn alle Länder diese protektionistische Sichtweise von dir hätten, könnte eure Wirtschaft nicht florieren.
Zitat:Hier mussdie Bundeswehr in die Lage versetzt werden erheblichen Druck aufzubauen, ohne gleich das auf sie ausgerichtete Unternehmen in Gänze ins Jenseits zu befördern. Personal der Bundeswehr müssten eigentlich in diesen Unternehmen in Führungspositionen oder dem Aufsichtsrat sitzen und entsprechend verantwortliche Köpfe rollen lassen, aber nicht das gesamte Unternehmen ansich ausbooten.Wie soll das gehen, wenn nur eine Firma für alle Luft- und Raumfahrtaufträge zuständig ist?
Zitat:Ich löse eine Kompanie auch nicht mal eben auf, nur weil irgendwo in Afghanistan militärisch-handwerkliche Fehler gemacht wurden.Die Kompanie hat aber auch vergleichsweise wenig Anreiz es besser zu machen. Es muss so sein wie im Sport, es gibt das Spiel, entweder du siegst und kriegst 3 Punkte oder eben gar nichts. Dass du alles verlieren kannst, ist die grösste Ansporn den du setzen kannst.
Oder im Krieg gibt es die Situation auch, wo nur einer von beiden überlebt. Da reinigst du die Waffe vermutlich auch einmal mehr als Friedenszeiten.

Zitat:Mit dem Wechsel der Anbieter ist das in manchen Branchen auch so eine Sache. Manchmal gibt es halt keine echte inländische Konkurrenz.Ja eben, mit deiner Ideologie kannst du keine Konkurrenzsituation erzeugen.
Zitat:Wo gehobelt wird, da fallen eben Späne. Gerade in der Entwicklung hat das häufig Folgen, die im freien Wettbewerb stets fatale Folgen haben. Davor will ich die heimischen Rüstungsunternehmen ausdrücklich schützen. Konsequenzen müssen auf anderer Ebene stattfinden und das ist absolut möglich.Es muss weh tun, sonst lernt der Unternehmer/Konzern nichts. Wenn du ihm die verfehlte Entwicklung zahlst, wirst du das beim nächsten Projekt genau gleich wieder erleben. EADS ist das beste Beispiel.
Zitat:Dafür eben eine andere aus Dt. Produktion, nach Dt. Vorgaben, mit höchster Projektpriorität des heimischen Kunden, mit allen Sourcen und Einfluss in Richtung Weiterentwicklung. Neben dem schönen Datenblatt, kann das die Importware einfach nicht bieten.Unglaublich wie tolerant du zu den "eignenen" bist und den anderen keinen Spielraum/Kompromisse zugestehst.